Mal angenommen, ein TV-Reporter aus Südafrika sollte das ferne Deutschland vorstellen, und er würde sich in seinem Bericht auf einen einsamen Schäfer mit seiner Herde, einen drolligen Pudelzüchter und einen Krötentunnelbauer konzentrieren, dann würde er mit diesem schrägen Blickwinkel auf Deutschland in seiner Heimat wohl einige Verwunderung hervorrufen.
Umgekehrt aber ist diese tierisch-putzige Perspektive gang und gäbe. Seit Wochen stimmen die TV-Sender mit allen möglichen Naturdokus und Reisereportagen über Afrika auf die Fußball-WM in Südafrika ein. Die ARD ist gerade von ihrem "Traumflug durch Afrika" wieder sanft gelandet und führt am nächsten Montag mit "Erlebnis Erde" das "Tierparadies unter Vulkanen" vor. Arte eröffnet heute mit der Naturserie "Mitten in Südafrika" die Themenreihe Afrika.
Auch die Spielfilme, die schon seit einigen Jahren gern Südafrika als exotische Kulisse benutzen, kommen selten ohne Wildhüter und Löwenbabys aus. Zur Einstimmung auf die WM hat nun auch RTL einen kompletten Spielfilm erstmals in Südafrika gedreht. "Ausgerechnet Afrika" präsentiert gleich einen kompletten afrikanischen Zoo. Der deutsche Arzt Martin Winter (Alexander Sternberg), der eigentlich seine Frau Anne (Rike Schmid) aus einer Krankenstation nach Hause zurück holen will, reist mit einer Tierärztin (Jasmin Gerat) umher und begegnet nacheinander einer angeschossenen Löwin, Elefanten, Krokodilen, einer Vogelspinne und einem ganz süßen Löwenbaby. Dicht gedrängt wie Tiere in einem Zoo ballen sich auch die Afrika-Klischees. Die Einheimischen haben entweder Aids oder blutig-schwärende Füße, die mit einer Säge amputiert werden müssen. "Ausgerechnet Afrika" wirkt fast wie eine Parodie auf Afrika-Romanzen.
Auftrag in Afrika
Um ein Krankenhaus in der afrikanischen Savanne und um illegalen Medikamentenhandel geht es auch im heutigen ZDF-Film. "Auftrag in Afrika" kommt erstaunlicherweise ganz ohne wilde Tiere aus und kreist um einen smarten deutschen Botschafter (Walter Sittler). Der trifft in Sambia nicht nur seine ehemalige Geliebte wieder (wie bei RTL eine engagierte Ärztin), sondern räumt gleich gehörig mit korrupten Pharmaganoven auf.
Um Einblicke in die Realität zu gewinnen, hat das ZDF die Moderatorinnen Marietta Slomka und Mo Asumang nach Afrika entsandt, deren Dokus "Afrikas Schätze" und "Road To Rainbow" während der WM laufen. Zur Einstimmung auf das Turnier präsentiert das Zweite am Sonnabend Ausschnitte aus dem Projekt "24 Stunden Südafrika" nach dem Vorbild von "24 Stunden Berlin". Unter den zwölf Helden, die einen Tag lang begleitet werden, ist natürlich auch ein Wildhüter, der nebenbei Krokodile züchtet.
Gazellen, Seelöwen und Strauße begegnen dem Tierfilmer Andreas Kieling in seiner Arte-Reise "Mitten in Südafrika" an der Küste Südafrikas entlang. Wer sich damit anfreunden kann, dass sich Kieling gern vor der Kamera breit macht und sogar in eine Robbenkolonie hineinrobbt, der erfährt Interessantes, etwa über 2 000 Jahre alte Felszeichnungen und Geisterstädte an der Westküste. Kieling wirkt nie routiniert, sondern neugierig-begeistert wie ein kleiner Junge.
Überhaupt bietet Arte das vielseitigste und ausführlichste Afrika-Begleitprogramm aller Sender. Unter den fast 50 Einzelsendungen sind auch Reportagen, die sich kritisch mit den Heilsversprechungen der Fußballbosse in Südafrika auseinandersetzen. Beispielhaft dafür steht der Film "Der Cup der Hoffnung", der morgen den ersten Afrika-Thementag auf Arte eröffnet. Ob Südafrikas Bevölkerung tatsächlich zu den Gewinnern der WM zählen kann, stellt die Reportage ausdrücklich in Frage. Zwar wurde mit dem Bau von Stadien ein Bauboom ausgelöst und mit der Einrichtung von Buslinien die Infrastruktur verbessert. Autorin Martina Bosse zeigt aber auch, warum kleine Markttreibende, Imbissköche und Taxifahrer vom lukrativen WM-Geschäft ausgeschlossen werden, das den Fifa-Partnern vorbehalten bleibt. Bewohner von Armensiedlungen wurden gar aus dem Zentrum von WM-Städten in eigens errichtete Blechhüttenslums zwangsumgesiedelt.
Ebenso aufschlussreich ist eine Reportage, die am 15. Juni auf Arte läuft. "Schwarz, arm, chancenlos?" fragt nach den Erfolgen des Wirtschaftsprogramms, das schwarzen Südafrikanern mehr Teilhabe bringen sollte. Eine der wenigen Erfolgsgeschichten übrigens handelt von Patience Bogatsu - sie ist die erste schwarze Wildhüterin Südafrikas.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.