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Allgemeine Zeitung: Als Nachfahren in Namibia

Die Allgemeine Zeitung ist Afrikas einzige Tageszeitung in deutscher Sprache. Von Montag bis Freitag berichtet sie - über Parlaments- und Präsidentschaftswahlen, Diamantenhandel, Vetternwirtschaft in der Regierung, Nilpferdpopulationen. Von Michael Marek

Schwierige Erbschaft: Chefredakteur Eberhard Hofmann. W. Gebert
Schwierige Erbschaft: Chefredakteur Eberhard Hofmann. W. Gebert
Foto: dpa

Über dem Redaktionseingang steht in großen Lettern "Nachrichten mit Charakter". Im Konferenzraum hängt ein Bild der Miss Namibia, daneben die deutsche Bundesligatabelle. "Viele bezeichnen uns immer als deutsche Zeitung in Namibia. Aber es gibt einen kleinen Unterschied: Wir sind eine namibische Zeitung in deutscher Sprache", sagt Stefan Fischer, Chefredakteur der Allgemeinen Zeitung (AZ), der einzigen Tageszeitung Afrikas in deutscher Sprache. Und sie kann am 1. August ihr 90-jähriges Bestehen feiern.

Die AZ mit Sitz in Windhoek berichtet von Montag bis Freitag - über Parlaments- und Präsidentschaftswahlen, Diamantenhandel, Vetternwirtschaft in der Regierung, Nilpferdpopulationen. Die zunehmende Kriminalität und Aidsopfer werden ebenso thematisiert wie die Frage, ob die Enteignung weißer Farmer im eigenen Land drohe. Für viele deutschsprachige Namibier in den entlegenen Winkeln des Landes gehört die AZ zur wichtigsten Informationsquelle. "Was die Leute hier bewegt, ist die Landreform", sagt der Chef vom Dienst und langjährige Chefredakteur Eberhard Hofmann.

"Die Auseinandersetzung um den Herero-Krieg von 1904: War es ein Genozid oder ein gewöhnlicher Krieg? Wichtig sind Themen, die sich mit der nationalen Aussöhnung beschäftigen." Hofmann, 1934 im sächsischen Freiberg geboren, ist 1954 als DDR-Flüchtlingskind nach Namibia gekommen. Seit 1975 arbeitet er als Journalist.

Bis zu 6200 Exemplare der Allgemeinen Zeitung werden täglich gedruckt, für rund 22 000 deutsch-stämmige Namibier die im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika leben. Praktisch jeder deutschsprachige Haushalt zwischen Tsumeb und Lüderitzbucht, Windhoek und Swakopmund lese sie. Von einer spezifisch deutschen oder "weißen" Sichtweise in der Berichterstattung der "Allgemeinen Zeitung" könne aber keine Rede sein, so Hofmann: "Wir vertreten Interessen der Stabilität und die Idee des sozialen Wohlstandes. Wir treten nicht nur für eine Gruppe oder einen Sprachkreis ein. Schließlich kann man die Gesellschaft nicht wie in der Apartheidszeit unterteilen."

1916 wurde der Vorläufer der AZ gegründet, während der kolonialen Kaiserzeit bezeichnenderweise unter dem Titel Der Kriegsbote. Die Zeitung machte sich als stramm deutsch-nationales Blatt einen Namen. Vom "Kampf der Völker ums Ganze" war damals die Rede. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs gab die Redaktion des Kriegsboten dem Blatt seinen heutigen Namen.

1939 tauften die Blattmacher die Zeitung kurzzeitig in Deutscher Beobachter um. Die Parallele zum antisemitischen, völkischen Vorbild war gewollt. Bis in die siebziger Jahre, so Hofmann, habe die AZ auf Seiten der südafrikanischen Besatzer gestanden. Da wurden schon einmal Geburtstagsgrüße an den Hitler- Stellvertreter Rudolf Hess abge-druckt. Das habe sich aber vor der namibischen Unabhängigkeit im Jahr 1990 allmählich geändert, sagt Hofmann.

Heute ist die AZ politisch unabhängig. Man müsse die konservativen Stammleser beachten und wolle sich gleichzeitig als liberale, weltoffene Zeitung profilieren, ergänzt Stefan Fischer und weist auf die heutigen Probleme innerhalb der Redaktion hin: "In Namibia ist es schwierig, an Informationen heranzukommen.

Es gibt noch nicht so viele Pressesprecher, und wenn es die gibt, dann haben die auch nicht diese Erfahrung. Die wissen nicht: Was darf ich rausgeben, was nicht. Hier gilt das Prinzip: Lieber gar nichts sagen als was Falsches."

1999 wurde der erste schwarze Redakteur eingestellt, der aber mittlerweile nach Deutschland "ausgewandert" ist. Doch verantwortlich dafür, dass es derzeit bei der AZ keinen schwarzen Redakteur gibt, sei nicht die ethnische Zugehörigkeit, sondern "die Sprachbarriere", so Fischer. Sogar Namibier mit deutschen Vorfahren würden diese Hürde nicht nehmen. "Ihr Deutsch ist nicht gut genug, um publizistisch zu arbeiten."

"Wenn wir Stellen ausschreiben, müssen wir lange und intensiv suchen, um neues Personal zu bekommen." Eine journalistische Ausbildung gibt es nur in Südafrika. Die meisten von den Bewerbern sind Quereinsteiger. Das gilt auch für Fischer selbst. Der in Cottbus geborene Fotograf kam 1996 mit dem Mauerfall nach Na-mibia. Zuerst nur als Tourist, dann als schreibender Journalist.

Autor:  Michael Marek
Datum:  26 | 7 | 2009
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