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Allianz aus ddp und AP: Gott bewahre

Der Millionär Martin Vorderwülbecke will der Allianz aus den Nachrichtenagenturen ddp und dem Nachfolger des deutschen AP-Ablegers DAPD die dpa als Marktführer "verzichtbar" machen. Doch bisher verläuft der Start eher holprig. Von Daniel Bouhs

Die Eigentümer der Nachrichtenagenturen ddp und DAPD, Peter Löw (r) und Martin Vorderwülbecke.
Die Eigentümer der Nachrichtenagenturen ddp und DAPD, Peter Löw (r) und Martin Vorderwülbecke.
Foto: ddp

Das alles dürfte einem Geschäftsmann wie Martin Vorderwülbecke völlig egal sein. Eigentlich, denn die Gläubigen verderben ihm gerade den Spaß. Der Millionär hat im vergangenen Jahr erst den Deutschen Depeschendienst (ddp) gekauft und kurz vor dem Jahreswechsel mit seinem Studienfreund Peter Löw den deutschen Ableger der Nachrichtenagentur Associated Press. Der heißt seitdem Deutscher Auslands-Depeschendienst (DAPD) und versieht seine Meldungen eben auch mit dem Kürzel APD.

Das wiederum gefiel den adventistischen Reportern überhaupt nicht. Die streng gläubigen Adventisten machten Markenrechte geltend. Und so firmieren Meldungen von DAPD künftig unter dem Kürzel "apn".

Das alles ist zwar auf den ersten Blick nur eine Petitesse. Die aber passt ganz und gar nicht zu dem Vorhaben von Vorderwülbecke und Löw, den Agentur-Markt aufzumischen. Sie wollen mit ihrer Allianz aus ddp und DAPD die dpa als Marktführer "verzichtbar" machen. Das hingegen wird nur gelingen, wenn potenzielle Kunden Vertrauen in die beiden Depeschendienste gewinnen. Fehltritte wie das Kürzel-Wirrwarr tragen wohl eher nicht dazu bei.

Auch sonst wundert sich die Branche darüber, wie die neuen Eigentümer agieren. Ohne jede Vorwarnung erhielten just am Tag vor Weihnachten zehn Fotografen des bisherigen AP-Fotodienstes die Kündigung, vor Silvester dann auch noch acht Bildredakteure. Betroffene und Gewerkschaftler sprachen von einer "Zerschlagung" des heutigen DAPD-Fotodienstes. Die gekündigten Verträge - oft betriebsbedingt - laufen zum April 2010 aus. Derzeit fänden Gespräche über neue Verträge statt, sagt Geschäftsführer Franz Maurer.

Vorderwülbecke sagt, er wolle "auch langfristig" beide Foto- und Textdienste am Markt halten. Das muss er auch, will er nicht die Zeitungs- und Rundfunkkunden verlieren, die vor dem Verkauf die ehemaligen AP-Dienste abonniert haben. Deren Verträge laufen teils noch bis zu drei Jahre.

Für die Wachstumsstrategie der Agentur-Manager ist das ein Problem. Denn während sich ddp bisher auf das Inland beschränkte und AP-Deutschland seinen Kunden verlässliche Berichte sowohl aus Deutschland als auch aus dem Rest der Welt versprach, bietet es sich an, auf die Überschneidung im Inland zu verzichten.

Die Agenturallianz arbeitet an einer vorläufigen Lösung. Vorderwülbecke erklärt, beide Dienste, für die etwa 250 feste Kräfte arbeiten (dpa 450), würden "aufeinander abgestimmt". Das heißt zum Beispiel, dass künftig nur noch ein Reporter beider Dienste eine Pressekonferenz besuchen wird. Die Meldung, die er darüber verfasst, übernimmt der andere Dienstes in Ausschnitten.

Diese Arbeitsweise birgt jedoch gleich mehrere Gefahren. Zum einen verliert die Agentur, die auf die Meldung ihrer Kollegen warten muss, Zeit. Zum anderen können sich auch Fehler rasch multiplizieren. Vor allem wären die Redaktionen schnell verärgert, die derzeit beide Dienste beziehen. Sie zahlen nach diesem Modell nämlich für ein und denselben Nachrichtenkern doppelt.

Allerdings spart diese Arbeitsweise Personal ein, das Vorderwülbecke zum Ausbau seiner Angebote nutzen will. Die Redaktionen (DAPD in Frankfurt, ddp in Berlin) könnten zusammen mehr Themen anpacken. Vorderwülbecke kündigt unter anderem an, der ehemalige AP-Dienst solle "mehr Features und Korrespondentenberichte aus dem Ausland liefern als bisher".

Zudem ist zu hören, dass der DAPD dafür nicht nur wie bisher die von etwa 3000 Korrespondenten recherchierten internationalen AP-Meldungen auswerten will, die Vorderwülbecke und Löw für den deutschsprachigen Markt für 15 Jahre lizenziert haben. Dem Vernehmen nach will der DAPD ein eigenes Netz an Reportern im Ausland aufbauen. Manche Häme über die Kürzel-Panne könnte also von kurzer Dauer gewesen sein.

Autor:  Daniel Bouhs
Datum:  6 | 1 | 2010
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