Der etwas wunderliche Name darf uns nicht täuschen (er stammt aus dem Französischen und bezeichnet Geflügel, das gerupft, aber sonst komplett auf den Markt kommt). Unter den - wie sagt man jetzt im Branchenjargon: Food-Titeln? - jedenfalls unter diesen ist Effilé mindestens so etwas wie Brand Eins. Nicht nur, weil ein ehemaliger Redakteur des Wirtschaftsmagazins dort Redaktionsleiter ist. Sondern auch, weil in Effilé "mehr Menschen als Teller zu sehen sind", wie die Redaktion schreibt.
Die Rezepte sind hier die Zugaben zu den Geschichten über die Leute, die sie kochen: Der 33-jährige Unternehmensberater aus Mexiko mit seinem Schweineeintopf, die 35-jährige Hausfrau aus Thailand und ihr Tom Kah Gai oder die 90-jährige ukrainische Jüdin, die uns von einer holzgetäfelten Wohnung in Moabit aus in die Geheimnisse des Borschtsch einweiht. Und natürlich Ferran Adria, wie er in seinem nordspanischen Restaurant ein Menu aus 42 winzigen Experimentalgängen serviert.
Die Reportage über den spanischen Gourmetpapst stand zwar schon im Guardian, und der zehnseitige Essay über Kater stammt vom New Yorker. Aber das macht überhaupt nichts, im Gegenteil: Wie schön wäre es, wenn sich die hiesigen Vanity Fairs viel öfters guter Stories aus den angloamerikanischen Originalen bedienten.
Dankenswerterweise kommt Effilee mit einem Minimum an korruptionsanfälligen Produktseiten aus. Und stiftet den gewonnenen Platz der Ausführlichkeit: Acht Seiten über die Steckrübe, zwölf Seiten sind dem Borschtsch gewidmet, und das ist gut so.
Wer essen kann, der kann auch lesen. Zum Beispiel mal das Interview mit einer Hamburger Obdachlosen über ihre kulinarischen Gewohnheiten: "Heute früh zum Beispiel Cheeseburger und Asia-Nudeln." Gehört schließlich auch dazu.
Effilee. Magazin für Essen und Leben, 6,80 Euro, www.effilee.de, Erscheinungsweise zweimonatlich.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Genau die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.