Es gibt sie noch, die aus reiner Musikleidenschaft geborenen Fanzines. Sie sind nicht mehr die selbst gebastelten, kopierten Heftchen von früher, aber immer noch leben sie von meist männlichen Plattennerds, die im Staub der Rillen alter Vinyl-Singles und LPs eine bessere Welt finden.
Als "Sprachrohr einer jungen, Dancefloor-affinen Soul- und Funk-Gemeinde" stellt sich "Uptown Strut" ganz neudeutsch-sachlich vor. Doch in Wahrheit geht es um "dieses Mitgefühl, in das sich schon Generationen von Soulfans wickelten wie in warme Decken", wie Jonathan Fischer, sonst für die Süddeutsche Zeitung tätig, in seinem Artikel über die Renaissance des alten Soul-Spirits schreibt.
Anhand der Soul-Crooner Raphael Saadiq und Anthony Hamilton zeichnet Fischer die Entwicklung vom Soul zum modernen R´n´B nach: Verletztlichkeit und soziale Themen verschwanden aus den Playlists der Sender, das Bling-Bling-Machotum triumphierte - als Sieg des "modernen, ökonomisch aufstrebenden Afroamerika". Mit Barack Obama, der "ein neues schwarzes Männerbild" verkörpert, kommen sie wieder, die Falsettstimmen und die Lieder über Armut und Mitgefühl, die die Zielgruppe von Uptown Strut so liebt.
Doch das Kölner Fanzine ist nicht nur für Nostalgiker. Artikel über Afrobeat und Latin Jazz zeigen, wie sich der Soul-Begriff in den letzten Jahren erweitert hat. Und seit Jim Jarmusch den pentatonischen Dancefloor-Jazz von Mulatu Astatke in seinem Film "Broken Flowers" wiederentdeckt hat, weiß man eben, dass es auch in Äthiopien rare grooves gibt.
Uptown Strut. Soul, Funk, Jazz. 3,80 Euro, Erscheinungsweise halbjährlich.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Genau die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.