Kein Magazin für schwache Nerven: Kurz vor Olympia kommt dieses "Colors"-Themenheft mit dem Titel "Opfer": 30 Fotos des Erdbebens in Sichuan hat die Redaktion 30 tibetischen Mönchen vorgelegt. Die haben Gedichte zu der Katastrophe verfasst, die am 12. Mai 2008 China erschütterte und wegen der bis heute fast 70 000 Todesopfer zu beklagen sind.
Wir sehen eingestürzte, zusammengeschobene Häuser. Ein Arzt, der sich weinend über eine weinende Frau beugt. Ein Brautpaar in staubiger Festkleidung, das verwirrt vor einem zerstörten Tempel steht. "Der Anblick dieser Verwüstung bestürzt mich," schreibt einer der Mönche, "aber ich kann nichts tun, außer zu den drei Juwelen beten."
Der Autor Acheng widmet sich dem Totschweigen von chinesischen Naturkatastrophen: Das Erdbeben, das im Juli 1976 die Stadt Tangshan dem Erdboden gleichmachte, kam erst nach Ende der Kulturrevolution dreieinhalb Jahre später ans Licht: Fast zweieinhalb Millionen Menschen starben dabei. Im Vergleich dazu lasse die heutige Informations- und Hilfspolitik hoffen: Wenn die chinesische Obrigkeit "noch offener und transparenter wird" schreibt Acheng, "wird China sich nach diesem Erdbeben zum Besseren verändern."
Das Magazin versuche, "zum Dialog zwischen dem tibetischen und dem chinesischen Volk beizutragen", so die "Colors"-Redaktion. Eine "Gebetssammlung" sei die Zeitschrift, weshalb wir sie bitte nicht "in den Schmutz oder in den Müll" werfen sollen. Die einzige Anzeige kann man getrost entsorgen: "Kauft das Tibet / China-T-shirt in den Benetton megastores" heißt es dort. Das Magazin entsteht nämlich im "Communication Research Center".
Colors, "Opfer", 6,50 Euro,
Erscheinungsweise dreimonatlich.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.