Er erscheint "so vierteljährlich wie möglich" und ist schwer am Bahnhofskiosk zu finden. Seit 1999 geben Koch Vincent Klink und Autor Wiglaf Droste ihre "literarisch-kulinarische Kampfschrift" Häuptling Eigener Herd heraus. Wer die erste Dekade verpasst hat, kann jetzt den Kampf der beiden Kulinaristen gegen die Dumm- und Gemeinheiten des Franchise-Kapitalismus im Buch "Wir schnallen den Gürtel weiter" nachvollziehen (Reclam). "Etikettenschwindler, Simulant und selbst Giftmischer sind zurückhaltende Worte für die Vertreter der Massenabfertigungsbranche", schreibt Droste im Vorwort.
Gastro-Journalisten sind bei ihm "Ausgehschreiber" und "Coffee to go" bedeutet "Kaffee zum Davonlaufen". Gourmet-Getue kommt ebenso in den Wolf wie die Aldi-Esskultur: "Dem zum Sparen gezwungenen Sozialhilfeempfänger, der eine hoffnungslos überteuerte Hühnersuppe ins kochende Wasser rieselt (vier Gramm Trockenhuhn für 98 Cent), ist therapeutisch nicht mehr zu helfen." "Der Koch verblödet, die Apparatur übernimmt", schreibt Klink zum Siegeszug des automatisierten Kombi-Herdes. Bald wisse keiner mehr, "warum aus einem Stück Teig nicht ein Hinkelstein, sondern eine luftige Brioche wird".
Echte Küchenarbeit dagegen, so Droste, könne "dem Charakter auf die Sprünge helfen", wovon die Rezepte im Häuptling eindrucksvoll Auskunft geben. "Die Wichtigkeit des Knetens kann nicht hoch genug eingeschätzt werden", schreibt Vincent Klink zum Thema Brühwurst. "Ist man hier wegen Konditionsschwäche oder Faulheit nachlässig, bekommt man Bröselwurst." Wir ahnen: Die Stinkstiefeleien geschehen nur aus Liebe zum Essen. Und zur Kreatur, die es zubereitet.
Häuptling Eigener Herd. Das Lebensmittel für Hirn und Wanst, 14,90 Euro.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.