Eine neue Zeitschrift, die sich "Popkultur für Frauen" nennt und nicht mit einem Wort Charlotte Roche erwähnt? Gottseidank, das Missy Magazine hat keine Lust, auf ausgetretenen Pfaden zu wandeln. Ihr Titelstar ist eine 18-jährige Wiener Newcomerin, die unter dem Alias "Soap & Skin" finstere Songs schreibt, ihre Heldinnen sind lesbische Rapperinnen, vermummte Graffiti-Writerinnen oder einfach "Nina, 29, Ladenbesitzerin", die sich darüber beschwert, dass der Techniker, der die Espresso-Maschine wartet, "grundsätzlich nur mit unserem männlichen Angestellten spricht".
Im Alltag ist's eben wie im Pop: "Wenn Popkultur-Journalismus ein Spielplatz ist, dann sind 80 Prozent dieses Spielplatzes von Jungs besetzt", heißt es im Editorial.
Was es mit "Bust" in den USA schon lange gibt, soll jetzt auch für Deutschland möglich werden: Ein Frauenmagazin, das seine Klientel nicht als "Summe unserer Problemzonen" behandelt. Sondern wahlweise als potentielle DJ-Queen ("Wie man zwei Platten ineinander mischt"), oder Drag-King ("Wie klebe ich mir einen Bart?") dann auch mal einfach als irgendeine, die ausreden möchte ("Wie man sich wehrt, wenn einem andere ins Wort fallen") oder sich das Stillen ausreden lassen möchte: "Bettina pack die Brüste ein!" befiehlt die Musikerin und Autorin Christiane Rösinger.
Sprich: Ein Magazin für Selbsterfinderinnen, die ihren Bekanntenkreis gerne "Netzwerk" nennen, die nicht furchtbar viel Geld übrig haben - es gibt Modetipps aus dem Supermarkt- und denen bei ihrem Feminismus wichtig ist, "dass der Zeigefinger in der Nase bleibt", wie Künstlerin Nina Braun im Interview erklärt. Ach so: Auf "so ein blödes Erwachsenenleben" haben sie auch keine Lust. Deshalb wohl "Missy".
Missy Magazine. Popkultur für Frauen, 3,80 Euro, erscheint vierteljährlich, www.missy-magazine.de. Die erste Ausgabe erscheint am 20. Oktober.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.