Was heißt da Krise? Die alte Tante Stadtzeitschrift, jener medienalternative Spross der mittleren Siebziger, lebt doch schon seit Jahren im Pflegeheim. Auch ihre Kinder, stumpfe, billige "City-Mags", hängen mächtig durch. Einzig der Prinz, einst gegründet als nutzwertiger Bruder der Zeitgeist-Postille Tempo, hielt in bemerkenswerter Indolenz Kurs und bediente mit der immergleichen Garnitur aus Promis, Shopping-, Schaumparty- und Single-Tipps die Ballermann-Bedürfnisse 20-jähriger Vorstadtbewohner. Und jetzt das: Ein neues, aufgeräumtes Layout im gediegenen Twen-Neon-Biedermeier!
Eine neue Chefredakteurin, die "Ausgehen" statt "Clubbing" sagt und sich "schon immer als Europäerin fühlte"! "Auch wenn das Wort nervt: Wir brauchen neu, sonst sind wir bald tot", schreibt die 32-jährige Nicole Zepter, als gälte es das Weltklima und nicht nur ein Partyblättchen zu retten. "Es geht hier um etwas, das für uns, für jede moderne Zivilgesellschaft auf dieser Welt überlebenswichtig ist."
Der Stammleser reibt sich die Augen: Soll er wirklich versuchen, sein Macbook zum Skateboard umzubauen? "Säubern Sie für einen optimalen Halt zunächst die sanft gebürstete Aluminiumoberfläche", fordert das Blatt und beantwortet eine Seite später die Frage: "Was macht man eigentlich, wenn ein Bär angreift?"
"Warum sind die Metropolen so anziehend für uns?", schwadroniert die Titelstory. "Weil wir uns mitreißen lassen, weil uns die Dynamik schöner macht." Der Theaterautor John von Düffel erklärt: "Das Treibenlassen ist die unserer Zeit gemäße Lebensform."
Wir ahnen: Der Prinz wird zur Postille für lebensphilosophischen Neo-Dadaismus. Die Revolution - sie kann nicht mehr fern sein.
Prinz. Erscheinungsweise monatlich, 1,50 Euro, www.prinz.de
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.