Eines der schlimmsten herausgeberischen Verbrechen ist, Musikredakteure zu zwingen, aus der Perspektive von Rockspießern zu schreiben. Dann erfährt man etwa über Techno, dass es "statt inbrünstiger Pop-Balladen" dort nur "ein rhythmisches Klopfen und Pochen" gebe. Oder dass die ersten HipHop-Djs "eine völlig neuartige, abstrakte Collagemusik" machten.
Früher interessierten sich Rockspießer einfach nicht für HipHop und Techno. Heute aber brauchen sie ein "Wissensmagazin unter den Musikmagazinen", wenn sie sich nicht Modernisierungsverlierer sein wollen. Eine "Edition zur populären Musik" will das neu aufgelegte Sounds sein, und die erste Ausgabe widmet sich der "Black Music". Ein merkwürdiger Begriff, der im angloamerikanischen eher verrufen ist, weil er per Hautfarbe ein Genre umgrenzt.
Die Sounds-Redaktion aber hält die Farbenlehre für den Stein der Weisen. Da hat der frühe Rap ein Image, das "so schwarz war wie die Vinylplatten, auf denen er in die Welt hinausgetragen wurde". Da erklärt Smudo, "Black Music" sei zur "Musik der Absahner"geworden, "die Geld und Weiber wollen".
"Die entfärbte Seele" heißt ein Artikel über die R'n'B-Stars der Achtziger, der Tina Turner und Co. vorwirft, sie klängen "weißer als weiß". "An ihm war bald nichts mehr schwarz" heißt es über Michael Jackson, seine Hautkrankheit sei die "grimmige Rache des Schicksals", und auch Whitney Houston kriegt für ihren "kalten Perfektionismus" die Quittung: "Drogen- und Magersucht sowie zerrüttetes Privatleben." Schwarzer, bleib bei deinen Leisten!
Nicht alle Texte im neuen Sounds sind so. Doch mit der alten Sounds der frühen Achtziger, die dem deutschen Popjournalismus Geist einhauchte, hat dieses Blatt nichts zu schaffen.
Sounds, 6,50 Euro inkl. CD, Erscheinungsweise vierteljährlich, www.sounds-rollingstone.de
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.