Wenn Bücher von US-Paartherapeuten auf dem Nachttisch liegen, wenn die Abwaschbarkeit des Sofas die Kaufentscheidung leitet, wenn nach all den kontaktarmen Jahren die Eltern wöchentlich vor der Tür stehen: Dann haben deutsche Akademiker-Thirtysomethings Kinder bekommen. Und weil die eine "eher unangefasste Zielgruppe" sind, so Stern-Verlagsgeschäftsführer Thomas Lindner, bekommen sie jetzt ein eigenes Magazin.
Die Süddeutsche hat's mit Wir im vergangenen Herbst versucht, aber dann doch schon nach einer Nummer die Finger davon gelassen. Jetzt also ist Nido, italienisch für Nest, allein auf weiter Flur.
"Ich will wieder arbeiten", ruft die Headline auf dem Titel, und darunter: "Guter Sex trotz kleiner Kinder". Ja, sie sind hungrig nach Sex, Berufsleben, Eigenheim, Popkultur und offensichtlich getrieben von der Sorge, dass der zukünftige geistige Horizont "über die Auswahl der richtigen Wundcreme nicht hinausreicht", wie es im Editorial heißt.
Schön fotografiert und schön geschrieben zeigt Nido der Jungfamilie, dass man im Wohnmobil durch Neuseeland kurven kann, was es beim Eigenheim zu bedenken gibt, wie entspannt die Westafrikaner die Kleinkinderziehung vergesellschaften, und warum Adoption nicht so funktioniert, wie sich Bunte-Leser das bei Madonna vorstellen.
Erziehungs- und Ernährungstipps fehlen, und auch die mutmaßlich kindaffine Prinzessin-Lillifee-Optik. "Nido ist elternzentriert", erläutert Chefredakteur Timm Klotzek, in gleicher Position auch bei Neon tätig und damit Topexperte für "Lebensgefühl-Magazine". Für jeden Lebensabschnitt einen Begleiter am Kiosk - das Konzept ist ausbaufähig: "Guter Sex trotz morscher Knochen", "Guter Sex trotz strenger Eltern" - da geht noch einiges.
Nido. Wir sind eine Familie. 3,90 Euro, Erscheinungsweise noch offen, Ersterscheinungsdatum 17. April, www.nido.de
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.