Auch in diesem tragikomischen Fernsehfilm des Bayerischen Rundfunks liegen Verlogenheit und Wahrheit dicht beieinander. Martina Elbert (Drehbuch und Regie) will es offenbar so haben. Auch wenn das kurios ist in einer Geschichte, in der es ausgerechnet ums Lügen geht.
Zuschauer von Problemsendungen sowie Brigitte-Leser wissen schon lange, dass ein "Messie" nicht einfach ein schlampiger Mensch ist. In "Morgen räum ich auf" sieht man ja auch, wie fleißig Ellen putzt, während sie gleichzeitig mit ihrer Tochter Torte backt und indisch tanzt. Minuten später aber sieht man, wie Ameisen über die Torte krabbeln, der Vater schimpft, die Familie schlecht gelaunt das Picknick abbricht, die Nachbarin eine recht dramatische Hausgeburt hat und der Vater verkündet, dass das Kind von ihm ist. Martina Elbert braucht also nicht viel Zeit dafür, Ellen vor den Trümmern ihrer Ehe stehen zu lassen. Außerdem ist es schwierig, nicht darüber zu lachen, als alle erledigt sind von der Geburt und ihr Mann das sagt: dass das sein Kind sei. Das ist allerdings das Lachen über unheimliche Missverhältnisse. Ellen muss ebenfalls lachen.
Jetzt verlangsamt sich das Tempo. Ellen und ihre Tochter ziehen um, aber Ellen kann die Kisten nicht auspacken. Nach 25 Minuten sagt ihre Tochter: "Die Wahrheit ist, dass du nicht aufräumst." Jetzt wird der Film noch etwas langsamer und lässt sich Zeit, Peinliches in Ruhe zu zeigen. Es ist so peinlich, dass es nicht einmal leicht fällt, es aufzuschreiben. Ellen verlegt den Geburtstag der Tochter in eine Suite des Hotels, in dem sie auf Probe arbeitet. Der Direktor unterbricht die Party.
Eigentlich tragisch
Man ahnt, dass im Grunde eine tragische Geschichte erzählt wird. Vielleicht ist es auch richtig so, dass Ellens, nun ja, Herunterkommen dabei letztlich nicht zu verstehen ist. Der Ton aber bleibt salopp. Dass er nicht ins Süßliche rutscht, machen nicht zuletzt die Schauspieler: Esther Zimmering als auf den zweiten Blick wenig sympathisches Problem-Schneewittchen, die Zwillinge Gina und Sandy Holzapfel, die sich die Rolle der freundlichen, klugen Tochter teilen, die trefflichen Nebendarsteller. Dass der Großvater unter "professioneller Hilfe" eine Putzfrau versteht, ist ein guter Gag. Das Ende aber ist kein Gag, sondern unwahrscheinlich. Natürlich kann man es auch Märchen nennen und sich freuen, weil man es anders gar nicht ausgehalten hätte.
"Morgen räum ich auf", ARD, 20.15 Uhr.
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