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AP in Nordkorea: Hinter der Tür die Zukunft

        

Ein Anfang: AP-Präsident Tom Curley (l.) und KCNA -Chef  Kim Pyong Ho.
Ein Anfang: AP-Präsident Tom Curley (l.) und KCNA -Chef Kim Pyong Ho.
Foto: dapd/David Guttenfelder

Die Nachrichtenagentur AP berichtet neuerdings aus dem kommunistischen Nordkorea – möglichst normal und ausgewogen.

Berlin –  

Als Kathleen Carroll kurz vor Weihnachten in Pjöngjang landete, war das kein guter Zeitpunkt für eine Visite. Erst recht nicht für eine Einzugsparty. Carroll ist leitende Redakteurin und Vizepräsidentin der Nachrichtenagentur Associated Press (AP). Zusammen mit anderen AP-Vertretern wollte sie in der nordkoreanischen Hauptstadt ein Büro eröffnen – das erste einer westlichen Agentur im kommunistischen und lange abgeschotteten Teil des Landes. Doch nur Stunden vor ihrer Ankunft war der Tod von Staatschef Kim Jong Il bekannt gegeben worden, das Land versank in Trauer. „Es gibt nur einen Flug am Tag nach Peking, und als die Maschine wieder startbereit war, sind wir zurückgeflogen.“

Auch ohne offizielle Eröffnung hatten die Journalisten, die für AP aus Nordkorea berichten, seitdem viel zu tun. Meldungen und Fotos von den Trauerfeiern haben sie geliefert, der Reporter Pak Won Il und der Fotograf Kim Kwang Hyon, beide stammen aus Nordkorea. Ihr Büro nahmen Carroll und ihre AP-Kollegen Anfang dieser Woche doch noch feierlich in Betrieb.

„Hinter dieser Tür liegt der Weg zu einem ungemein größeren Verständnis und einer kulturellen Bereicherung für Millionen von Menschen auf der ganzen Welt“, sagte AP-Präsident Tom Curley, als er am Montag zusammen mit Kim Pyong Ho den Startschuss gab. Kim ist Leiter der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA. Er erinnerte daran, dass AP zugesagt habe, über Nordkorea „fair, ausgewogen und genau zu berichten“. Im Gebäude der KCNA im Zentrum Pjöngjangs hat sich die AP-Außenstelle eingerichtet. Oder besser: begonnen einzurichten.

„Wir haben noch keine direkte Telefonleitung ins Land, die wird gerade installiert. Wir können E-Mails schicken, und die Kollegen rufen zurück“, erzählt Kathleen Carroll am Mittwoch am Telefon, sie ist in der Nacht nach New York zurückgeflogen. E-Mail, Telefon, das sind technisch-praktische Fragen, aber journalistisch entscheidende – wie die Bewegungsfreiheit. Während Journalisten aus dem Ausland, etwa die in Seoul stationierte Korea-Bürochefin Jean Lee, bei Besuchen im Norden Aufpasser zugeteilt bekommen, können sich die beiden nordkoreanischen Kollegen frei bewegen. „Sie gehen raus, sie stellen Fragen, sie machen Fotos“, sagt Carroll.

Auch der Umgang mit ausländischen Journalisten entspannt sich langsam, hat sie festgestellt. „Als ich da war, haben wir gesagt, was wir gerne sehen würden oder mit wem wir sprechen wollen, und dann haben sie uns begleitet.“ Trotzdem sei Nordkorea weit davon entfernt, ein normales Einsatzgebiet zu sein, sagt Kathleen Carroll. „Es ist immer noch ein Rätsel. Es gibt wahnsinnig viel, was die Welt über Nordkorea nicht weiß.“

Da ist es erfreulich, wenn wie kürzlich in einem AP-Bericht über den Rückhalt des neuen Machthabers Kim Jong Un auch mehrere Absätze lang normales Leben in Pjöngjang beschrieben wird – Schnee, Kinder auf Schlitten, und Arbeiter, die ihrem Bus hinterherrennen. Es sind spannende Zeiten für Visiten.

Autor:  Marin Majica
Datum:  19 | 1 | 2012
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