Dass er auf seine alten Tage noch einmal ein Praktikum machen würde, hatte Hans Jürgen Nix auch nicht träumen lassen. Doch als der 51-jährige Berufskraftfahrer seinen Job verlor, schickte ihn die Bundesagentur für Arbeit zur "Eignungsfeststellung" in einen Zulieferbetrieb, wo er ein halbes Jahr lang Pakete packte. Zum Wohle des privaten Unternehmens, das der Praktikant nichts kostete - und zu Lasten des Allgemeinheit. Denn Nix bezog während der Zeit sein reguläres Arbeitslosengeld.
Eva Müller stellt in ihrer Reportage eine ganze Reihe solcher absurd anmutenden Fälle vor, in denen die Bundesagentur in weitgehend sinnfreie Qualifizierungs-maßnahmen schickt, die einzig den Zweck haben, die Arbeitslosenstatistik abzumildern. Denn in der tauchen die Betroffenen während dieser Zeit nicht auf.
Gemeinnützige Trampolins
Ein Vertreiber von Mini-Trampolins zeigt sich hoch erfreut über Produktionshilfen seitens des Amtes und lässt seine Geräte inzwischen nicht mehr in China sondern in Stuttgart produzieren. Doch nicht genug, dass privaten Firmen kostenlose Arbeitskräfte zugeführt werden. Wenn die Tätigkeiten das Siegel der "Gemeinnützigkeit" tragen, legt die Agentur für den Arbeitsgeber sogar noch ein paar Hundert Euro pro Monat für jeden Beschäftigten drauf.
So sammelt eine private Versicherung in Braunschweig gebrauchtes Spielzeug, das rund 70 Ein-Euro-Jobber auf Funktionstüchtigkeit überprüfen. Da sind Erwachsene tagelang damit beschäftigt, ein Riesenpuzzle zusammenzusetzen, um schließlich festzustellen, dass zwei Teile fehlen. Einen regulären neuen Job hat durch derlei absurde Beschäftigungstherapien natürlich noch niemand gefunden. Aber es gibt inzwischen offenbar eine Vielzahl von privaten Unternehmen, die an der Arbeitslosigkeit bestens verdienen. Vieles an dieser Reportage mutet an wie ein Blick ins Reich Absurdistan. Woran auch die fadenscheinigen Rechtfertigungsversuche von Vertretern der Bundesagentur für Arbeit am Ende des Films wenig ändern.
"ARD exklusiv: Die Armutsindustrie", ARD, 21.45 Uhr.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.