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17. Dezember 2012

ARD-Dokumentation „Die dunkle Seite unserer Plätzchen“: Süßes mit bitterem Beigeschmack

 Von Torsten Wahl
Ein Landarbeiter auf einer Kakaoplantage in der Elfenbeinküste. Foto: dpa

Wer seine Schokolade ohne schlechtes Gewissen genießen will, sollte diese Dokumentation besser nicht einschalten: Die ARD-Reportage „Die dunkle Seite unserer Plätzchen“ zeigt Missstände beim Kakaoanbau auf.

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Lebkuchen, Plätzchen und Schokolade reichern derzeit so manchen Fernsehabend an. Doch wer ohne schlechtes Gewissen genießen will, sollte besser keine investigative Dokumentation einschalten. Letzten Mittwoch hatte das ZDF in der Zoom-Reportage „Die dunkle Seite unserer Plätzchen“ vorgeführt. Türkische Haselnussbauern besprühen ihre Bäume mit verbotenen Pestiziden, und auf Madagaskar müssen Kinder die Zimtbäume schälen.

Nun beleuchtet eine ARD-Reportage die dunkle Seite der Schokolade: In Westafrika müssen Hunderttausende Kinder bei der Kakaoernte helfen. Der dänische Filmemacher Miki Mistrati ist dem Problem schon länger auf der Spur. In seinem ersten Film „Schmutzige Schokolade“ zeigte er, dass Kinder von Menschenhändlern aus den Nachbarländern an die Elfenbeinküste verkauft wurden, um sie auf Kakaoplantagen schuften zu lassen. Die großen Nahrungsmittelkonzernen verweigerten sich damals den Fragen zu ihrer Verantwortung.

Doch dann lief die TV-Reportage in mehr als 20 Ländern, 2010 auch in der ARD, bekam Preise und erregte viel Aufsehen. Zwar ist Miki Mistrati beileibe nicht der Erste und Einzige, der das Problem anprangert. Internationale Hilfsorganisationen versuchen schon seit Jahren, die Kinderarbeit auf den Kakaoplantagen einzudämmen. Doch Mistratis Reportage tat den Schokoladenherstellern offenbar besonders weh.

Mit der Machete in die Plantage

Deshalb wurde der dänische Filmemacher bei der Fortführung seiner Recherchen deutlich ernster genommen. Diesmal wollte er jene Hilfsprojekte vor Ort begutachten, die die Nahrungsmittelkonzerne zur Unterstützung der Kakaobauern eingerichtet hatten. Doch Nestle und Co. blockten ab. Mistrati durfte nicht in die Elfenbeinküste reisen.

Ein befreundeter Reporter vor Ort übernahm die Dreharbeiten – und lieferte wiederum erschreckende Bilder. Denn nicht eines der aufgesuchten Hilfsprojekte funktionierte so wie versprochen: Von der einen Schule standen nur die Außenmauern, die nächste konnte nur ein Viertel der Kinder des Dorfes unterbringen. Wie selbstverständlich tragen die Kinder und Jugendlichen weiter ihre Machete bei sich – die scharfen Werkzeuge dienen zur Kakaofrüchte-Ernte und führen immer wieder zu Verletzungen.

Imagepflege statt Vor-Ort-Kontrolle

Genauso erhellend wie die Bilder aus Westafrika sind die Reaktionen der verantwortlichen europäischen Projekt-Manager, denen inzwischen wohl aufgegangen war, dass sie diesen dänischen Reporter nicht weiter ignorieren konnten. Schließlich versprechen sie dem Konsumenten ja mit diversen Zertifikaten einen Schoko-Genuss ohne schlechtes Gewissen. Aber anscheinend haben manche Verbände mehr Energie in die Imagepflege als in die Kontrolle vor Ort investiert.

Jedenfalls zeigten sich alle befragten Manager vor der Kamera erstaunt bis entrüstet darüber, dass Kinderarbeit an der Elfenbeinküste immer noch so selbstverständlich ist. Mistratis Film lässt keinen Zweifel daran, dass diese Entrüstung pure Heuchelei ist und so manches Gütesiegel mehr verspricht als es hält. Selbst wer sich an der mitunter aufdringlichen Enthüller-Pose des Reporters stößt, wird demnächst im Süßwarenregal skeptischer hingucken.

Schmutzige Schokolade II, Montag 22.45 Uhr, ARD

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