Winnie (Peter Lohmeyer) ist ein eher sachlicher Zeitgenosse, doch manchmal gerät auch er ins Schwärmen. Das Besondere sei das zentrale Staubsaugersystem, erklärt er dem Ehepaar, das sich gerade eines der schwedischen Fertighäuser ansieht, die er verkauft. Doch die Kunden interessieren sich mehr dafür, wo die Kinderzimmer sind. Oben, etwas abseits, antwortet Winnie, man wolle ja schließlich auch mal seine Ruhe haben. Das bringt ihm einen scharfen Blick und die Nachfrage ein, ob er selbst Kinder habe. "Ja, einen Sohn. Der ist aber aus dem Gröbsten raus." Leider liegt der Vater mit dieser Einschätzung ziemlich daneben.
Sein Sohn Robert (Willi Gerk) ist ein introvertierter Teenager, nicht mehr richtig Kind, aber längst noch nicht erwachsen. Aus seinen großen dunklen Augen spricht tiefer Weltschmerz, doch Roberts Eltern interessieren sich mehr für harmonische und fototaugliche Alltagsmomente. So entgeht ihnen, dass Robert das Opfer fieser Mobbingattacken ist. Der Täter ist ausgerechnet Paul (Tim Oliver Schultz), Sohn eines befreundeten Ehepaares.
Paul schubst Robert herum, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Er nimmt ihm das neue Fahrrad weg, wirft den Schulranzen auf einen vorbeifahrenden Laster und verhöhnt Paul für dessen ohnmächtige Angst. Dann hält Paul eines Tages Robert eine Pistole an den Kopf, um ihn mal wieder und noch mehr einzuschüchtern. Als Robert selbst die Waffe kurz halten darf, fragt ihn Paul, wie sich das anfühlt. Robert drückt ab.
Das klingt wie der dramatische Höhepunkt des Films, ist aber erst der Auftakt der Tragödie. Roberts Eltern lassen die Leiche verschwinden, vertuschen den Vorfall und legen wie üblich den Mantel des Schweigens über alles Unangenehme. Der überforderte und traumatisierte Robert muss sich fortan nicht nur seiner Schuld, sondern auch der Polizei und den Eltern seines toten Widersachers stellen.
Es ist ein trotz aller Tragik sehr nüchterner Film geworden, der durch die trüben, regnerischen Kamerabilder noch düsterer wirkt. Auf optimistische Ausblicke sollte man hier nicht hoffen, Thema und Film erlauben keine.
Der andere Junge, Mi., 20.15 Uhr, ARD
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.