Ohne speziell trainierte Elefanten geht gar nichts, wenn man den Tigern im Dschungel Zentralindiens so nah kommen will wie der britische Naturfilmer John Downer. Einige Kameras, in Baumstämmen versteckt und per Fernbedienung gesteuert, tragen die Dickhäuter mit ihrem Rüssel; andere Geräte, durch Holzscheite getarnt, stellen sie in der Landschaft ab, und auch Kameraleute, die auf den Elefanten unterwegs sind, kommen zum Einsatz. Unter den Spezialkameras sind laut Downer welche, die "so viel kosten wie ein kleines Haus".
Opulente Bilder, politischer Touch
"Unter Tigern",, ARD, 20.15 Uhr.
Sein Film "Unter Tigern. Indiens Raubkatzen hautnah" läuft heute Abend in der zweiten Staffel von "Erlebnis Erde", und die macht derzeit die Programmmanager der ARD froh. Zwischen 12 und 13 Prozent Marktanteil erreichen diese Dokumentationen - eine Steigerung gegenüber 2007, als die erste Staffel der Reihe auf 10,6 Prozent kam.
Normalerweise bereitet der Sendetermin am Montag um 20.15 Uhr den Hierarchen große Sorgen. Die überwiegend gemächlichen Krimiserien ("Ein Fall für Nadja", "Elvis und der Kommissar", "Mord mit Aussicht"), mit denen man zuletzt auf diesem Sendeplatz gegen den "Fernsehfilm der Woche" des ZDF zu punkten versuchte, verfehlten die Zehn-Prozent-Marke, nur "Der Winzerkönig" lief passabel.
Problematisch ist auch, dass sich eine Schwäche um 20.15 Uhr auf die Resonanz der späteren Sendungen auswirkt. Vor dem Start der zweiten Staffel von "Erlebnis Erde" kamen die ARD-Montagsdokus um 21 Uhr im Schnitt auf 7,7 Prozent - ein deprimierender Wert. In der aktuellen Tierfilmsaison kamen aber auch diese teilweise auf überdurchschnittliche Marktanteile, der Film "Chinas Größenwahn am Yangtse" etwa auf 12,9 Prozent.
Zwischenzeitlich waren Naturfilme aus der Prime Time im Ersten verschwunden und zierten dort lediglich die Festtagsprogramme. Ihre Stammplätze haben sie in den Dritten Programmen, in Reihen wie "Expeditionen ins Tierreich" (NDR).
Nur drei ARD-Anstalten liefern überhaupt solche Filme: der NDR, dessen Tochter NDR Naturfilm nach BBC Natural History der zweitgrößte Tierfilmproduzent Europas ist, der WDR und der BR. "Die deutschen Produzenten erreichen oft die gleiche Qualität wie die Top-Stars von BBC oder Discovery Channel", sagt Jörn Röver, der Chef von NDR Naturfilm. Viele deutsche Top-Produktionen würden mittlerweile, ohne dass die meisten Zuschauer dies bemerken, von National Geographic, Discovery, dem ORF oder der BBC mitfinanziert. Von den 13 Filmen der aktuellen "Erlebnis Erde"-Staffel hat der NDR drei im Alleingang gestemmt, fünf sind Importe (BBC, ORF), und an den übrigen sind mehrere Partner beteiligt.
Röver betont, das Naturfilmgenre sei sehr vielseitig. Mal leben die Filme von einer gefühlsbetonten Story, mal von opulenten Bildern, mal haben sie durchaus einen gesellschaftspolitischen Touch - etwa "Deutschlands Wölfe" (Sendetermin: 8. September).
Sollten in den nächsten Wochen eben diese Wölfe, Schneeleoparden oder türkische Bezoarziegen die Hoffnung nähren, dass die langfristige Rettung des Montags aus dem Tierreich kommt, könnte sich die Zahl der Sendetermine für "Erlebnis Erde" 2009 verdoppeln. Damit würde die ARD sich um 20.15 Uhr klarer positionieren. Innerhalb des Senderverbunds versteht nicht jeder, dass man es um diese Zeit oft mit Fiction versucht und damit eine ähnliche Zielgruppe angepeilt hat wie das ZDF mit dem "Fernsehfilm der Woche". Denkbar ist auch, "Erlebnis Erde" montags um 21 Uhr zu platzieren. Oder auf einem regelmäßigen Sendeplatz im Vorabendprogramm am Sonnabend, wie es in anderen Ländern praktiziert wird.
Die Macher jedenfalls brauchen bald Planungssicherheit, da sich die Produktion von Naturfilmen über lange Zeiträume erstreckt: Die Natur reagiert naturgemäß oft nicht wie geplant, Tiere tauchen nicht dort auf, wo man sie vermutet hat, und das Wetter erzwingt immer wieder Drehpausen. John Downer beispielsweise hat an "Unter Tigern" drei Jahre gearbeitet.
Bis klar ist, welche Rolle "Erlebnis Erde" künftig spielt, werden noch einige Konferenzen über die Bühne gehen - und ein wichtiger Wechsel. Am 29. September endet die zweite Staffel von "Erlebnis Erde", und zwei Tage später tritt der neue ARD-Programmdirektor Volker Herres seinen Dienst an.
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