Nach einem Besuch bei einer Parapsychologin schwebt Bürgermeister Wöller in größter Gefahr. Sein Leben sei bedroht durch Wasser, Feuer und ein Musikinstrument, da lassen die Karten keine Zweifel. Kurz danach raucht der Motor seines Autos, Wöller selbst rutscht auf nassem Grund aus, und zum krönenden Finale wird er beinahe von einem Klavier erschlagen.
Natürlich wendet sich noch alles zum Guten. Den um ein Haar durchgeschmorten Motor repariert eine beschäftigungslose Mechanikerin (der Bürgermeister besitzt ein Autohaus, eine Arbeitslose weniger), das dekonstruierte Klavier wird durch ein intaktes ersetzt (darüber freut sich der hochtalentierte Junge, dem sein Papa kein Instrument kaufen wollte), Wöller fasst neuen Mut, und wer hat das alles bewerkstelligt? Die Schwester Hanna. Es ist ein Wahnsinn.
Um Himmels Willen, 20.15 Uhr, ARD
Gespielt wird die tatkräftige Ordensfrau, die im Zentrum der ARD-Serie "Um Himmels Willen" steht, von der in Berlin geborenen Schauspielerin Janina Hartwig. Das Treffen mit ihr findet just an dem Tag statt, an dem bei Arte die dritte und letzte Staffel der zu Recht hochgelobten Krimiserie "Kriminaldauerdienst" anläuft.
Die Geschichte sei auserzählt, hat das ZDF als verantwortlicher Sender die Öffentlichkeit wissen lassen. Die Wahrheit ist: "KDD" fand nicht genug Zuschauer. Bei "Um Himmels Willen" hingegen schalten regelmäßig mehr als sieben Millionen Menschen ein, deshalb beginnt jetzt die neunte Staffel, und die Bücher für Staffel zehn sind bereits in der Mache.
Janina Hartwig ist seit der sechsten Staffel dabei. Im Interview präsentiert sie sich gut gelaunt und berlinert munter, obwohl sie längst in München daheim ist. Das Leben als Hauptdarstellerin von "Um Himmels Willen" bietet ihr genug Vorteile, um ziemlich vieles "wunderbar" finden zu können. Die Kollegen, zum Beispiel, und ganz besonders auch die Drehbücher. Dabei geht es in "Um Himmels Willen" seit sehr langer Zeit hauptsächlich darum, dass Bürgermeister Wöller - gespielt von Fritz Wepper - das Kloster Kaltenthal erwerben will, was Schwester Hanna ebenso tapfer wie pragmatisch zu verhindern versucht.
Wie gesagt, die Serie läuft seit 2002, ihre Geschichte müsste also eigentlich inzwischen brutalstmöglich auserzählt sein. Doch weil die Zuschauer von der heiteren Unterhaltung offenbar nicht genug bekommen können, fantasiert Autor Michael Baier einfach immer weiter und lässt seine Figuren die merkwürdigsten Dinge tun.
"Ich habe wirklich wunderbare Sachen zu spielen", konstatiert Janina Hartwig fröhlich. "Zum Beispiel eine Millionärin, die einen Heiratsschwindler überführt. Und eine Rockerin. Und ich werde mit Fritz Wepper ein Duett singen - er als Quasimodo, ich als Prinzessin." Was eine Nonne halt so treibt.
Überfordert wird hier niemand. Und weil das für die allermeisten deutschen Fernsehserien gilt, musste ein Experiment wie "KDD" letztlich scheitern: Das Stammpublikum ist derlei Gewagtes nicht gewohnt, junge Serienliebhaber wurden von strahlenden Bergdoktoren, anpackenden Nonnen, munteren Seelöwen und detektivisch begabten Geistlichen erfolgreich abgeschreckt: Sie gucken sich resigniert US-amerikanische und britische Produktionen auf DVD an und eventuell einmal im Jahr eine Folge der ZDF-Reihe "Nachtschicht".
Natürlich ist es nicht ganz fair, Janina Hartwig zu fragen, ob es nicht zu viele Serien wie "Um Himmels Willen" gebe. Was soll eine Schauspielerin, die mit dieser Form der Fernsehunterhaltung ihren Lebensunterhalt bestreitet, schon darauf antworten? Janina Hartwig versucht es mit dem Hinweis, sie würde sich manchmal wünschen, früher am Abend Dokumentationen sehen zu können.
Und so ist Janina Hartwig, die einst mit 17 an der renommierten Schauspielschule Ernst Busch aufgenommen wurde und 15 Jahre lang fest zum Ensemble des Staatsschauspiels Dresden gehörte, glücklich mit ihrer Hanna. Nur Theater spielen würde sie mal wieder gerne, ihre Traumrolle ist die Penthesilea.
Doch Obacht: Wenn Drehbuchautor Baier davon Wind bekommt, könnte für Janina Hartwig demnächst ein weiteres Duett mit Fritz Wepper anstehen. Diesmal nicht sie als Prinzessin und er als Quasimodo, sondern sie als Königin der Amazonen und er als Achilles. Zuzutrauen wäre es Baier.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.