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Medien

23. Januar 2013

ARD und ZDF im Netz: Nichts fliegt mehr raus

 Von Daniel Bouhs
Ein Dorn im Auge: Verleger kritisieren die Tagesschau-App, weil sie zu presseähnlich ist. Gegen digital verfügbare Infosendungen haben sie nichts.  Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Manchmal empfiehlt ein Freund oder Kollege eine Infosendung. Sie stehe in der Mediathek von ARD oder ZDF. Wenn man endlich dazu kommt, nachzuschauen, ist die Sendung nicht mehr da. Doch das Löschen von Infosendungen im Netz könnte bei ARD und ZDF bald ein Ende haben.

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Die Sache ist nicht nur nutzerfeindlich, sondern trägt bisweilen groteske Züge: Auch in Zeiten des immerhin geräteunabhängigen Rundfunkbeitrags klaffen auf den Online-Portalen von ARD, ZDF und Deutschlandradio nach wie vor immense Lücken. Die Sender müssen ihre Beiträge weiterhin mit einem Verfallsdatum versehen. Was alt ist, fliegt raus und führt nicht zuletzt bei der Suche im Netz ins Leere.

„Depublikation“ schimpft sich, was die Medienpolitik vor vier Jahren eingeführt hat. Die Länder, die für die Grenzen der öffentlich-rechtlichen Kanäle zuständig sind, wollten so verhindern, dass ARD und ZDF mit ihrer Digitalpräsenz private Medien erdrücken. Doch das System ist längst in die Irre gelaufen, denn für jedes Portal bestimmt ein eigenes „Verweildauerkonzept“, wann ein Beitrag zu alt ist. So ist manches beim produzierenden Sender länger zu haben als auf der Seite des Ersten. Durchblick ist hier Mangelware.

Privatsender deuten ein Einlenken an

„Die konkrete Ausgestaltung hat Kinderkrankheiten“, beobachtet nicht zuletzt auch RTL-Lobbyist Tobias Schmid, der dem Privatsenderverband VPRT vorsitzt. Schmid ist ARD und ZDF zumindest in dieser Sache inzwischen recht wohlgesonnen und hätte – für einige Bereiche – nichts gegen eine Lockerung der Verfallsdaten einzuwenden. Auf die Frage angesprochen, ob die Audio- und Videoportale von ARD und ZDF noch im Netz beschränkt werden müssten, sagt Schmid, die Privatsender blieben zwar bei ihrem Kerngeschäft, also vor allem der Unterhaltung, in ihren Forderungen „stabil“. Bei Bildung und Kultur aber könne er sich sehr wohl vorstellen, zu prüfen, ob es „tatsächlich Kollisionen“ mit den Privaten gebe – und das „aus Sicht der öffentlich-rechtlichen Anstalten und ihrer Nutzer“.

Der Beitragszahler darf also Hoffnungen hegen, künftig bei der Suche in den Online-Archiven nicht mehr allzu oft leer ausgehen zu müssen. Doch die Politik will sich, so ist hinter den Kulissen zu hören, Zeit nehmen: Erst soll mit einer Änderung des Rundfunkstaatsvertrags der geplante Jugendkanal auf den Weg gebracht und zudem – wie geplant – nach zwei Jahren das neue Beitragsmodell überprüft werden. Erst danach, also 2015, dürfte die Präsenz im Internet wieder auf die Agenda rutschen.

Bis die Chefs der eingeschränkten Sender aus der Deckung kommen, dürfte zudem auch noch einige Zeit vergehen. Neben den Privatsendern müssen die Intendanten von ARD und ZDF nämlich auch noch die Verleger für sich gewinnen, auch wenn es hier vor allem um die Frage geht, wie viel Text auf den Portalen der Öffentlich-Rechtlichen stehen soll. Ein nächstes Treffen der Streitparteien ist im Frühjahr geplant.

ZDF-Intendant Thomas Bellut hat nun immerhin angekündigt, eine Einigung mit den Verlagen abzuwarten, dann allerdings für das eigene System die Forderung zu erheben, „die Informationsbeiträge ohne Beschränkung“ im Netz belassen zu dürfen. Die Verleger wiederum würden sich hier offensichtlich nicht sperren. Helmut Heinen, Präsident des BDZV, in dem sich deutsche Zeitungsverlage organisieren, erinnerte jedenfalls auf Anfrage daran, dass sein Verband nie eine Depublikation bei ARD und ZDF gefordert habe, sondern nur eine „öffentlich-rechtliche Presse“ bekämpfe.

ZDF-Chef Bellut haut noch nicht auf den Tisch

ZDF-Chef Bellut will dennoch nicht sofort auf den Tisch hauen. Die Länder würden in dieser Sache „eine stärkere Neigung“ verspüren, wenn sich Verlage und öffentlich-rechtliche Sender einig seien. Und auch der Vorsitzende der ARD, NDR-Intendant Lutz Marmor, erklärte einerseits, insbesondere bei der Information „sollten die Interessen der Beitragszahler an erster Stelle stehen“, andererseits aber das Thema „mit Sorgfalt“ behandeln zu wollen, wozu natürlich der Austausch mit privaten Medienhäusern zähle.

Unterdessen hat die ARD gerade damit begonnen, ihr Programm auch live im Netz auszustrahlen. Sie zog damit mit dem ZDF gleich, das es dieser Tage wiederum der ARD-„Tagesschau“ nachmacht und seine „heute“-Sendungen über eine App auf mobile Geräte bringt. Der Zugang im Digitalen liegt also auch bei den Öffentlich-Rechtlichen im Trend. Allumfassende Mediatheken werden sie jedoch auch für das Genre „Information“ in der Zukunft wohl nicht anbieten können. Zum einen räumen ihnen Produzenten und Veranstalter nicht immer auch die Online-Rechte an ihren Produktionen ein. Und zum anderen unterbieten zu allem Überfluss auch noch prominente Köpfe aus den eigenen Reihen die ohnehin lästigen Verweildauerkonzepte der Sender.

Dass „Günther Jauch“ schon nach sechs Tagen aus dem Netz fliegt, während „Hart aber fair“ ein ganzes Jahr online bleibt, haben beispielsweise nicht die Gremien der Sender entschieden, um die politischen Vorgaben zu erfüllen. ARD-Chef Marmor erklärt, dass es vielmehr dem Moderator des Polittalks am Sonntagabend „wichtig“ sei, dass am Tag vor der neuen Sendung die Ausgabe der Vorwoche offline gehe. Günther Jauch will also nur „mit der jeweils aktuellsten Fassung“ im Netz vertreten sein – und die ARD kuscht.

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