Als vor einigen Wochen die taz ihren 30. Geburtstag feierte, da war es in ganz besonderem Maße auch der Geburtstag der Chefin des Blattes, das wie kein anderes deutsches Medienprodukt so eng mit dem links-alternativen Projektgedanken der späten 70er Jahre verknüpft ist. 30 Jahre taz, das waren auch über 20 Jahre Bascha Mika, die dort Ende der achtziger Jahre in der Nachrichtenredaktion begann, dann einige Zeit als Reporterin für die taz unterwegs war und 1998 in die Chefredaktion wechselte, zunächst als Stellvertreterin des Doppels Klaudia Brunst und Michael Rediske.
War man in personellen Fragen von der taz schon immer Turbulenzen gewohnt, so kommt die gestrige Nachricht, dass Bascha Mika im Juli die Kommandobrücke der taz verlässt, doch überraschend. Bascha Mika, 1954 im polnischen Komprachcice geboren, war zuletzt die dienstälteste Chefredakteurin in der deutschen Printpublizistik.
In der ökonomisch gebeutelten Branche, die gerade auch ihrem Chefpersonal keine langfristige Planungssicherheit mehr garantierte, war sie ein ruhender Pol, ein sympathisches Gesicht mit Ausstrahlung und dem Charme der Verlässlichkeit. Wohltuend hob sich ihr Führungsstil von der Pose rasanter Entscheidungsfreude ab. In den internen Redaktionskonferenzen agierte Mika eher als beharrliche Fragenstellerin denn als entschiedene Bescheidwisserin. Der typischen Diktion der Chefentscheidung stellte sie einen moderierenden Ton entgegen.
Bascha Mika wusste die taz-typischen, bisweilen anarchischen Entscheidungsprozesse zu schätzen und entfaltete ein Rollenmodell der überlegten und überlegenen Repräsentanz. Auf unprätentiöse Weise war sie das Gesicht der taz, jener kleinen, selten kleingeistigen Zeitung mit vielen Gesichtern. Dass sie nun nicht mehr im ARD-Presseclub das linksalternative Gewissen verkörpern soll, daran wird man sich erst gewöhnen müssen. Nicht zuletzt die taz-Redaktion selbst, in der Bascha Mika geachtet, aber auch kritisiert wurde, weil ihre beharrliche Freundlichkeit nicht jedermanns Vorstellung von der Ausübung der Richtlinienkompetenz entsprach.
Ihr Rückzug, keine Sensation, sagte sie gestern. Es sei doch schon länger geplant gewesen. Tatsächlich habe sie 2008 aufhören wollen, aber dann unbedingt mit der neuen Sonntaz und den Feierlichkeiten zum 30. Geburtstag noch ihre Hausaufgaben machen wollen. Geordneter Rückzug also. Auch das hat es in der taz noch selten gegeben.
Energiezufuhr von außen
Spekulationen sind allerdings erlaubt. Mit Ines Pohl (42) kommt eine Nachfolgerin, die zum ersten Mal in der taz-Geschichte kein Eigengewächs des Kochstraßenbiotops ist. Ines Pohl arbeitete als Korrespondentin für die Mediengruppe Ippen in Berlin, zuvor leitete sie das politische Ressort der Hessisch-Niedersächsischen Allgemeinen (HNA). Ferner war sie für ein Jahr als Stipendiatin für Journalismus an der Harvard University.
Dass die taz nun auf eine Lösung von außen setzt, kann als Indiz dafür gewertet werden, dass man sich eine Energiezufuhr von außen erhofft in einer Zeit, in der beinahe stündlich Ausschau nach neuen Medienstrategien gehalten wird. Bascha Mika mochte die Wahl ihrer Nachfolgerin nicht kommentieren. Sie habe sich bereits vor zwei Jahren um Ines Pohl als taz-Ressortleiterin bemüht. Ihre Pläne wollte Mika nicht verraten, aber eine Frau wie sie hat immer etwas vor.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.