Jochen-Konrad Fromme fühlt sich geschnitten."Die Redaktion bringt lieber ein großes Stück leeres Gebäude", jammert der CDU-Bundestagsabgeordnete in einem Schreiben an die Braunschweiger Zeitung. Das Blatt hatte es gewagt, beim Bericht über ein Krankenhaus auf ein Bild des Politikers zu verzichten. Damit nicht genug. "Mein Geburtstag war Ihnen nicht eine Silbe wert", wettert Fromme.
Zum Feiern ist dem Wahlkämpfer aus Wolfenbüttel, seit 1998 im Bundestag, schon länger nicht mehr zumute. Fromme liegt im Wahlkreis Salzgitter weit hinter seinem SPD-Konkurrenten zurück, Bundesumweltminister Sigmar Gabriel. Schuld daran seien Braunschweiger und Salzgitter Zeitung. "Wenn ich inhaltlich über meine Berliner Arbeit berichtet habe, war das nie erwähnenswert", schreibt Fromme. Keine Zeile über sein Grußwort beim Schützenfrühstück, wenig über sein Schlusswort beim Auftritt von Wirtschaftsminister zu Guttenberg.
Mit einem Anzeigenboykott will der Parlamentarier das Zeitungshaus abstrafen. Außerdem fordert der Vorsitzende des CDU-Landesverbands Braunschweig auch im Namen seiner Vorstandskollegen seine Parteifreunde auf, der Verleihung des Lokaljournalistenpreises an die Braunschweiger Zeitung fern zu bleiben. Die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung ehrt das Blatt für besondere Bürgernähe; am Festakt am 31. August nimmt Bundespräsident Horst Köhler (CDU) teil.
Frommes Parteifreunde schütteln entsetzt den Kopf: Einen Boykott-Beschluss des Braunschweiger CDU-Vorstands gebe es nicht, sagt seine Stellvertreterin Heidemarie Mundlos. "Die Mitglieder sollen selber entscheiden, wo sie hingehen." Sie werde an der Preisverleihung teilnehmen.
Die Braunschweiger Zeitung selbst verweist auf das Archiv. "Der CDU-Abgeordnete taucht in dieser Wahlperiode 601 Mal in unserer Zeitung auf. In 23 Interviews konnte er inhaltlich über seine Berliner Arbeit berichten."
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.