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Bella Block: Die Zeit ist hin

Ein unheimlich starker Abgang für Bella Block, eine Ikone des Fernseh-Krimis.

Die Kommissarin und ihr treuer Begleiter: Hannelore Hoger und Devid Striesow.
Die Kommissarin und ihr treuer Begleiter: Hannelore Hoger und Devid Striesow.
Foto: ZDF

Natürlich hätte man die Handlung auch auf neunzig Minuten komprimieren können, aber dann wäre es ein anderer Film geworden; nicht so gut vermutlich, nicht so berührend, nicht so komplex. Knapp 180 Minuten aber sollten es schon sein, schließlich nimmt eine Ikone des deutschen TV-Krimis Abschied: Bella Block wirft die Brocken hin. Das ist ohne Frage ein starkes Stück, und das gilt zum Glück auch für diesen Film.

"Am Ende des Schweigens" ist ein hübsch mehrdeutiger Titel für die Geschichte von Grimme-Preisträgerin Beate Langmaack (ihr Drehbuch wurde von Katrin Bühlig bearbeitet). Der Fall an sich ist überschaubar: Eine junge Mutter (Susanne Bormann) ist von ihrem eifersüchtigen Freund (Thomas Schmauser) offenbar zu Tode geprügelt worden. Doch der Schein trügt: Die Verletzungen waren nicht lebensgefährlich; letztlich ist die Frau erstickt. Trotzdem spricht natürlich alles gegen den zudem geständigen Freund. Allerdings fällt es Bella Block (Hannelore Hoger) zunehmend schwer, sich auf den Fall zu konzentrieren: Ihr Lebensgefährte Simon (Rudolf Kowalski) ist felsenfest entschlossen, sich einen alten Lebenstraum zu erfüllen und die Weltmeere zu besegeln; ohne Freundin Bella, in deren Leben die Toten für seinen Geschmack eine ohnehin viel zu dominierende Rolle spielen. Also verlässt er sie, und zwar für immer, wie Theodor Storms melancholisches Abschiedsgedicht "Die Zeit ist hin" verdeutlicht: "Hier steh ich nun und schaue bang zurück; vorüber rinnt auch dieser Augenblick. Und wie viel Stunden dir und mir gegeben, wir werden keine mehr zusammen leben."

Doch nicht nur privat, auch beruflich setzt das Schicksal der Kommissarin hart zu: Während man noch rätselt, welche Rolle der Prozess gegen einen mutmaßlichen Frauenmörder spielt, bei dem die Hamburger Kommissarin als Zeugin aussagen muss, geschieht das Unfassbare: Nach der Urteilsverkündung wird sie von der Frau des Mannes niedergestochen. Zum Glück ist die Wunde nicht lebensgefährlich, doch beim Sturz verletzt sie sich am Kehlkopf und verliert ihre Stimme.

Ohne Stimme beredt agierend

Dank der doppelten Filmlänge kann sich Regisseur Markus Imboden (auch er vielfach preisgekrönt) Zeit nehmen, um die Seitenstränge mehr als bloß anzudeuten. Von besonderer Bedeutung ist dabei das Klima im Revier. Der vordergründig verständnisvolle neue Dienststellenleiter Mark Haber (Jörg Hartmann), von Bella Block prompt bloß "Makaber" genannt, führt neue Methoden ein, vermutet bei der altgedienten Kommissarin ein nahendes "Burnout" und drängt sie zum Besuch des hauseigenen Psychologen, der nach dem Anschlag prompt zur Altersteilzeit rät. Einzig der treue Martensen (Devid Striesow) ist noch auf ihrer Seite.

Neben der jederzeit fesselnden Geschichte imponiert der Zweiteiler erneut durch die herausragende Leistung der Hauptdarstellerin. Über Hannelore Hogers Qualitäten ist schon viel gesprochen und geschrieben worden, aber wie es ihr im zweiten Teil gelingt, ohne Stimme und doch beredt zu agieren: Das ist erneut alle Fernsehpreise wert.

15 Jahre und 25 Filme lang hat Hoger die stets mürrische, aber immer integre und hochmoralische Hamburgerin verkörpert. Gemeinsam mit vortrefflichen Regisseuren und Autoren ist es dem ZDF gelungen, wie Fernsehspielchef Hans Janke ganz richtig feststellt, "Anspruch und Attraktivität" mit dieser Reihe zu verschwistern. Es ist daher kaum zu glauben, dass sich der Sender ohne Not von diesem Pfund trennt. Die wolkigen Aussagen des zuständigen Redakteurs Pit Rampelt legen nahe, dass Bella Block auch weiterhin ermitteln wird, wenn auch ohne Polizeiausweis: Er spricht von Wende, nicht von Ende. Den zweiten Teil zeigt das ZDF am Montag.

"Bella Block: Am Ende des Schweigens", 17. und 19.1., ZDF, 20.15 Uhr.

Autor:  TILMANN P. GANGLOFF
Datum:  17 | 1 | 2009
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