kalaydo.de Anzeigen

Berichterstattung Finanzkrise: Sensationell schlecht

Eine Studie wirft dpa und ARD ein Versagen in der Berichterstattung über die Finanzkrise vor. Autoren sind der einstige FR-Chefredakteur Wolfgang Storz und der Kommunikationsforscher Hans-Jürgen Arlt. Von Daniel Bouhs

Als hätten Deutsche Presse-Agentur und "Tagesschau" nicht genug Probleme am Hals! Bei der dpa bereiten sie in Hamburg und Frankfurt gerade den Umzug nach Berlin vor. Und bei ARD-aktuell ist soeben der Versuch gescheitert, TV- und Onlineredakteure in einem Newsroom unterzubringen - weil die Kulturen nicht zusammenpassten.

Just in dieser Stimmung legt die Otto-Brenner-Stiftung nun eine Studie zur Frage vor, wie die Medien die Krise am globalen Finanzmarkt bewältigten und vor allem, ob sie das Grauen kommen sahen. Autoren sind der einstige FR-Chefredakteur Wolfgang Storz und der Kommunikationsforscher Hans-Jürgen Arlt. Sie testieren dem größten Newslieferanten und der Nachrichtensendung ein "eklatantes journalistisches Versagen".

So werfen die beiden Autoren der dpa vor, sich bei der Finanzmarktpolitik der Interpretationslinie der Regierung derart zu folgen, "wie der Autofahrer im Nebel dem weißen Mittelstreifen". Sie habe zudem "selten und wenn, dann nur unzureichend Zusammenhänge hergestellt". Bei den abklopften Ausgaben von "Tagesschau" und "Tagesthemen" sei das ähnlich.

Vorwürfe, die sich die dpa nicht gefallen lässt. Sie reagierte mit einem ganzen Dossier. Storz und Arlt hätten bloß Zusammenfassungen im Ticker ausgewertet, also aktuelle Berichte, aber Analysen der Reporter und gesendete Interviews mit Experten einfach ignoriert, heißt es darin. Dort hätten sich indes sehr wohl bereits vor dem GAU des Banken- und Kreditwesens deutliche Hinweise auf drohende Krisen und deren Folgen gefunden. Die dpa belegt das mit zahlreichen Beispielen.

"Wir haben eben das Kerngeschäft der Agentur untersucht, das die Kunden als erstes im Blick haben", sagt Storz. Ihm gehe es vor allem darum, das Material zu diskutieren, das die meiste Verbreitung in Zeitungen und auf Onlineportalen finde. "Und da hat sich ein Ausmaß an Unverständlichkeit gezeigt, dass mich überrascht hat."

Das Ergebnis solle kein Bashing sein, sondern Grundlage für eine Diskussion. Die Printmedien hätten auch lange geschlafen und das Thema "Finanzkrise" erst gesetzt, als der Prozess schon in vollem Gange war. Sie seien aber Ende 2008 aufgewacht - im Gegensatz zu dpa und ARD, die "nicht aus ihrer Routine herauskamen".

Die ARD will sich zu den Vorwürfen vorerst nicht äußern. Kai Gniffke, Chef der Redaktion ARD-aktuell, sagt, dafür müsse die Studie erst im Detail ausgewertet werden. "Ich kann heute nur sagen: Die Finanzberichterstattung vor und während der Krise war sicher für den gesamten Journalismus kein Ruhmesblatt." Er sehe da aber "keine Sonderrolle" für "Tagesschau" und "Tagesthemen". Storz bleibt dabei und spricht von "sensationell schlechten Sendungen und Berichten".

Allerdings: Bei den Zeitungen war ebenfalls nicht alles rosig. Einzige Ausnahme: die Financial Times Deutschland. Hier sei, sagt Storz, auch vor dem Kollaps des Kapitalmarktes "ein Spektrum aus unterschiedlichsten Deutungen erkennbar gewesen, das andere Blätter nicht transportierten". Nur die taz anfangs, so Storz. "Aber der ist in der Krise einfach die Kraft ausgegangen."

Autor:  Daniel Bouhs
Datum:  9 | 3 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
World Press Photo
Das beste Pressefoto 2012: Eine jemenitische Frau hält einen verwundeten Verwandten in ihren Armen.

Beeindruckende Aufnahmen: FR-online.de präsentiert interaktiv die Pressefotos des Jahres.

TV-Kritik
Sieger: Der zehnjährige Marco gewinnt das Finale von DSDS Kids. Moderator Daniel Assmann (l.) und DSDS-Kandidat Thomas Pegram freuen sich.
DSDS Kids: Das Finale 
Indianer-Squaw in Türkis: Für Joan Franka und die Niederlande hat es nicht gereicht.
ESC 2012 Halbfinale 
Höhepunkt des 1. ESC-Halbfinales: der Auftritt der Buranowski Babuschki.
Eurovision Song Contest in Baku 
Jogger an der Außenalster in Hamburg.
TV-Kritik "Der adidas Check" 

Video

Quiz
Dezember 2006.

Thomas Gottschalk hat sich bei "Wetten, dass..." verabschiedet. Er bewegt die TV-Nation. Testen Sie Ihr Wissen.

Quiz
Tatort-Logo

Seit 40 Jahren gibt's fast jeden Sonntag im Fernsehen Mord und Totschlag. Mit dem Tatort beweist das öffentlich-rechtliche Fernsehen immer wieder seine Leistungsfähigkeit. Was wissen Sie über die Krimi-Reihe? Testen Sie's!

Fotostrecke
Meeresbewohner: Leuchtend grüne Quallen gleiten durch ein Aquarium.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Quiz
Der zurückgetretene Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg holt seine Entlassungspapiere im Schloss Bellevue ab (03.03.2011).

Guttenberg hatte einen guten Grund. Aber weshalb sind Horst Köhler oder Richard Nixon abgetreten?

Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

Film

Die Filmwoche: Was läuft wann in welchem Kino? Alle Neustarts, alle Filme, alle Kinos, alle Zeiten.

Meistgeklickt
Sieger: Der zehnjährige Marco gewinnt das Finale von DSDS Kids. Moderator Daniel Assmann (l.) und DSDS-Kandidat Thomas Pegram freuen sich.
DSDS Kids: Das Finale 
Das DFB-Bundesgericht mit dem Vorsitzenden Goetz Eilers hat entschieden: Das Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC wird nicht wiederholt.
Kein Wiederholungsspiel zwischen Düsseldorf und Berlin 
 Mely Kiyak
Kolumne zum neuen Umweltminister