Wischen, Ziehen, Tippen - geht es nach Mathias Döpfner, sieht so das Zeitunglesen der Zukunft aus. Am Dienstagabend stellte er im gediegenen Journalistenclub seines Axel-Springer-Verlages die Apps (Anwendungen) seiner Blätter Bild und Welt für Apples iPhone vor. Wer anfangs 79 Cent oder 1,59 Euro, nach der Testphase bis zu 4,99 Euro im Monat zahlt, bekommt ab sofort Neues geboten: die Zeitungen im Original-Layout am Abend vor dem Erscheinen, aktuelle Meldungen, Fußball-Liveticker, die sich automatisch aktualisieren, und das gesamte Archiv.
Döpfner sagt, nach knapp zehn Jahren sei es wohl an der Zeit festzustellen, dass sich Journalismus im digitalen Zeitalter nicht unbedingt nur mit Werbung finanzieren lässt. Der Verlagsmanager wolle deshalb "alles unternehmen, um zu prüfen, ob die Menschen bereit sind, für das zu zahlen, was sie wissen wollen". Immerhin gehe es darum, den Journalismus als Kerngeschäft von Verlagen in einer Zeit zu sichern, in der immer weniger Menschen zu Papier und immer mehr zur Maus oder zum Handy greifen. Für Springer seien zudem Kontakte zu Kunden, die bezahlen, auf Dauer wertvoller als Kontakte zu Kunden von Gratis-Angeboten."PBisher hat noch kein Verlag mit Inhalten im Netz nennenswert Geld verdient, von Börseninfos und Testberichten mal abgesehen. Döpfner will hier offenbar Pionier sein. Wenn er über seine Apps redet, spricht Döpfner viel über Qualität, für die man auch künftig bezahlen müsse. Er sagt aber auch: "Wir dürfen dabei das spielerische Element nicht unterschätzen." Spielerisch ist etwa das "Bild-Girl des Tages", das iPhone-Nutzer Schritt für Schritt ausziehen - indem sie ihr iPhone immer wieder schütteln.
Vor allem die iPhone-App der Bild-Zeitung dürften für mobile Informationshungrige interessant sein. Wer über seinen Lieblingsverein auf dem Laufenden bleiben will, wird so ebenso automatisch über entsprechende Neuigkeiten informiert wie jene, die sich für das Geschehen in ihrer Stadt interessieren: Die App bietet mehr als ein Dutzend regionaler Nachrichtenticker mit Polizei-, Unfall- und Skandalmeldungen aus den großen und kleineren Metropolen der Republik. "PÜber die Entwicklungskosten schweigt sich der Verlag aus. Ein Team habe die Anwendungen seit dem Sommer entwickelt. Billig dürfte das nicht gewesen sein. Doch bei einem Erfolg könnte das Experiment zum Vorbild für die ganze Branche werden. Und auch in den USA würde man sich freuen: Wie bei allen Apps, die über den App Store verkauft werden, gehen 30 Prozent des Verkaufserlöses an Apple.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.