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Medien

10. August 2009

Bezahl-Inhalte im Netz: Krisengeburt

 Von Daniel Bouhs
Wer mehr als fünf Kopien eines Artikels ausdrucken will, muss beim Independent zur Kasse gebeten.Foto: The Independent/ screenshot

Die britische Tageszeitung Independent macht es vor: Wer von ihrer Website einen Artikel ausdrucken will, erhält die Botschaft, nur zu fünf Kopien seien umsonst. Gar nicht so unüblich. Von Daniel Bouhs

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Auch das ist ein Versuch, mit der ewigen Kostenlos-Kultur im Internet zu brechen: Wer vom Online-Auftritt des britischen Independent einen Artikel ausdrucken will, der wird vor eine ungewöhnliche Wahl gestellt. Er muss entscheiden, ob er nur bis zu fünf Kopien ausdrucken will, denn nur die seien umsonst, heißt es da.

Unüblich ist das freilich nicht. Mehrere Exemplare brauchen Unternehmen, die ihre Mitarbeiter über Entwicklungen in ihrer Branche in Kenntnis setzen wollen, aber auch Professoren und Studenten für Uni-Seminare. Ganz zu schweigen von Verbänden, die ihre Mitglieder mit Nachrichten versorgen wollen.

Je nachdem, wie viele Kopien es sein sollen, kostet jedes Exemplar zwischen einem Pfund (bis zehn Stück) und rabattierten 25 Pence (ab 251 Stück), die sofort per Kreditkarte fällig werden. In der Praxis dürfte dieses Modell natürlich scheitern, denn technisch kann bisher keiner kontrollieren, wie oft die Druckfunktion in einem Browser aufgerufen wird. So schreibt der Independent dann auch, er vertraue darauf, "dass Sie nur fünf Kopien machen".

In Zeiten der Werbeflaute und des Abonnenten-Schwundes greift derzeit die alte Idee wieder um sich, im Internet für Inhalte Geld zu verlangen, wie das an den Kiosken dieser Welt auch üblich ist. Vorreiter dieser Bewegung ist Rupert Murdoch. Der Milliardär hat angekündigt, noch im laufenden Jahr auf all seinen Seiten Geld für journalistische Inhalte zu verlangen. Dazu gehört das britische Boulevardblatt Sun wie auch die Qualitätszeitung Times und der US-Sender Fox News.

Murdochs Vorstoß findet Nachahmer, auch hierzulande. Mathias Döpfner, dessen Axel-Springer-Konzern Bild und Welt publiziert, fordert, die Kostenlos-Kultur im Netz müsse zurückgedrängt werden. Sein Bild-Chefredakteur Kai Diekmann bezeichnete die Kostenlos-Kultur im Netz ohnehin bereits als "verfluchten Geburtsfehler" des Internets.

Döpfner fordert schon länger ein so genanntes Leistungsschutzrecht. Das würde das, was der Independent mit seiner Druckfunktion probiert, sehr vereinfacht gesagt zur Pflicht machen. Bodo Hombach, Chef der größten deutschen Regionalzeitung WAZ, bezeichnete diese Forderung gar als "die wichtigste medienpolitische Initiative seit Jahrzehnten".

Ein Leistungsschutzrecht ist aber nur ein möglicher Baustein von vielen, um Journalismus im Netz zu finanzieren, wenn klassische Werbeeinnahmen dafür nicht reichen, wie es oft der Fall ist, sogar bei prominenten Portalen. Die krasseste, aber heikelste Variante wäre ein Abo-Modell für Internetseiten. Das funktioniert bisher nur bei Fachtiteln wie dem Wall Street Journal und der Financial Times sowie Expertenangeboten für Versicherer und Banken. Und auch nicht immer, denn sogar Meta-Dienste der Medienbranche wie der Kress Report öffneten rasch, was sie mal nur zahlenden Kunden angeboten haben, weil immer irgendeiner da war, der Ähnliches umsonst anbot.

Es dürfte Zeitungen und Zeitschriften also schwer fallen, bei den Nutzern einen Kulturwandel herbeizuführen. Doch einige Projekte stimmen hoffnungsvoll. So verdiente die New York Times mit ihrem Dienst Times Select, in dem sie vor allem Kolumnen, Leitartikel und Dossiers gegen Gebühr zugänglich machte, zehn Millionen US-Dollar pro Jahr. Weil der Verlag vor fast zwei Jahren aber dachte, mit allein werbefinanzierten Inhalten mehr einnehmen zu können, brachen sie dieses Projekt ab. Doch Chefredakteur Bill Keller deutete schon an, zu den Bezahl-Inhalten zurückkehren zu wollen. Das französische Online-Magazin Mediapart, das sich mit Abos für neun Euro pro Monat finanzieren will, liegt zwar bisher unter Plan und ist von der Gewinnschwelle noch weit entfernt. Der Chefredakteur dieser Seite, Edwy Plenel, prognostizierte aber bereits im März: "Die Gratis-Blase wird demnächst unter unseren Augen platzen." Und jetzt hat der Figaro als erster französischer Printtitel angekündigt, für exklusive Inhalte im Internet bis Anfang des nächsten Jahres ein Gebühren-Modell auflegen zu wollen.

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