"WLAN kommt bald", stand auf Leinwand im Bühnenraum des Berliner Friedrichstadtpalastes. In Sachen Konnektivität lief zunächst nichts. Wegen der großen Nachfrage hatte der Bloggerkongress zur benachbarten Kalkscheune noch den berühmten Tanzpalast hinzugenommen. Das Bedürfnis, sich jenseits des Internets über das Leben im Netz auszutauschen, hat mit "re-publica 09" inzwischen eine kleine Tradition hervorgebracht, die sich einmal im Jahr der gewöhnlichen Kongress-Kommunikation bedient, zumindest so lange WLAN auf sich Warten lässt.
Der Netz-Analytiker John Kelly hatte sich zu Beginn zur Aufgabe gemacht, leuchtende Grafiken zur weltweiten Blogosphäre unter die Leute zu bringen. Über die Fragen, wer sich mit wem vernetzt und worum es dabei geht, hat Kelly allerhand Daten zusammengetragen und sich so einen eigenen Orbit der Internetnutzung erschaffen. Er weiß, wie in Pakistan und Iran gebloggt wird, und dass es dabei nicht nur um Islam geht, sondern auch um Poesie und Kochen. Die Auseinandersetzung mit dem Medium delektiert sich noch immer bevorzugt daran, dass Daten in großer Zahl hervorgebracht werden. Im Internet zählt, wer Clicks generiert.
Und doch war eine allgemeine Blogger-Ernüchterung festzustellen. Der große Hype ist vorbei. Beschäftigte sich eine ähnliche Runde im vergangenen Jahr vor allem mit den Ähnlichkeiten und den Unterschieden zu den professionellen Presse, so wurde nun eine qualitative Stagnation der Aktivitäten beklagt.
Am klarsten artikulierte der FAZ-Journalist und Star-Blogger Stefan Niggemeier sein Unbehagen. "Wir könnten weiter sein", sagte Niggemeier und bemängelte, dass Blogs vor allem zur Weitergabe von Tipps auf andere Blogs genutzt werden. Er vermisse die Hervorbringung eigenen Contents. Das rief den heftigen Widerspruch von Robert Basic hervor, der dadurch bekannt geworden ist, dass er seinen Blog basicthinking.de vor einiger Zeit spektakulär verkauft hat. Basic mochte nichts hören vom guter-Blog/schlechter-Blog-Gerede. Das gehe ihm, so brach es aus ihm heraus, schon lange auf den Sack.
Blogger drücken sich bisweilen so aus. Die Runde auf der Bühne des Friedrichstadtpalastes jedenfalls tanzte nach den Rhythmen einer demonstrativen Lockerheit, in die auch das Publikum einstimmte. Postings wurden rausgehauen und der Tech-Blogger Sascha Pallenberg bekannte, ein ignorantes Arschloch gewesen zu sein, weil er sich recht lange nicht um das Twitter-Medium gekümmert habe.
Das ging so hin und her, begleitet von handfesten Problemen wie rechtlichen Aspekten des Bloggens oder der Frage, ob es von Nutzen sein könne, sich eine eigene Interessenvertretung zu schaffen.
Die Blogger-Szene, wie sie sich auf der Tagung "re-publica 09" präsentierte, ist heterogen und undogmatisch, und schon gar nicht möchte sie die ideologischen Verkrampfungen politischer Bewegungen beim Kampf um Deutungshoheit wiederholen. Die Euphorie darüber aber, durch den ständigen Aufenthalt in den Netzmedien einen verlässlichen Vorsprung zu haben - auf was auch immer -, scheint verflogen. Das Internet ist ein Generator unendlicher Möglichkeiten. Die Schwierigkeit besteht darin, im Blick zu behalten, für was.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Genau die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.