Wenn man Diana Amft gegenübersteht, dann ist es, als hätte einer eine Glühbirne angeknipst. Eine mit richtig viel Watt, die sofort ganz hell leuchtet, so eine, wie es sie bald nicht mehr gibt mit all den Energiespardingern, die ewig brauchen, um hell zu werden. Sie hat schon mehr als fünf Stunden Interviews hinter sich an diesem Nachmittag, aber kaum ist man im Zimmer, ist sie ganz da. Strahlend und begeistert. Von den grünen Sesseln in dem Berliner Hotelzimmer, so einen will sie unbedingt auch haben. Von der dritten Staffel der Serie „Doctor’s Diary“, in der sie ab heute Abend wieder jeden Mittwoch zu sehen ist. Und vom Latte macchiato. Davon bitte noch einen. Jetzt geht’s erst richtig los. „Das ist einfach hammerklasse Unterhaltung“, sagt Diana Amft.
Man hat sofort Spaß. Diana Amft hat keine Angst, etwas zu sagen. Einfach so, ohne ein „Ja, schon aber also eigentlich...“ . Und ein Stück Seele reinzulegen, ohne dass es schwer werden würde. Sie plaudert, und es wirkt echt und ehrlich. Genau so, wie die 35-Jährige dort sitzt und Interviews gibt und davon schwärmt, wie toll es ist, vor dem Fernseher einzuschlafen, so spielt sie auch. Und das ist wohl ihr Geheimnis.
Lange blonde Haare, ansehnliche Oberweite und dann auch noch Comedy – das fällt meist laut, böse und brustfixiert aus. Diana Amft macht es auf die weiche Art, zwischen Karrierefrau und Kitschromanheldin beweist sie, dass Frausein mehr ist, als ein ordentliches Dekolleté vor sich her zu tragen. Gerade in einer deutschen Serie, die originell ist, großartig gar, und die es geschafft hat, wieder und wieder fortgesetzt zu werden.
Diana Amft spielt darin Dr. Gretchen Haase, Assistenzärztin, ihr Vater ist der Klinikchef, die Mutter hat nach dreißig Jahren ihre Karriere als Krankenschwester wieder aufgenommen, der Chirurg ist Gretchens Jugendliebe, der Gynäkologe ihr Ex-Freund. Doch „Doctor’s Diary“ ist mehr als nur eine Arztserie. Dramedy nennen die Macher um Drehbuchautor Bora Dagtekin das, Drama und Komödie also. „Die dritte Staffel“, verspricht Diana Amft, „setzt noch eins drauf, ist noch dramatischer, zynischer, dreister.“
Zum Auftakt in Spielfilmlänge hat Gretchen gerade einen Millionär geheiratet, der leider ein Betrüger ist, mit der Hochzeitsnacht wird es nichts, weil die Festgesellschaft im Krankenhaus unter Quarantäne gesetzt wird. Gretchen sucht den Wirt des bösen Virus und versucht, dem bösen Erreger Marc Meier (Florian David Fitz als genialer Gegenpart) zu widerstehen, dem sie eigentlich seit schon immer verfallen ist.
Orgasmus auf dem Fahrrad
All das ist nie albern, immer glaubwürdig, oft sehr lustig, und wenn Gretchen stöhnt, warum es unter all den Lebenshilfesendungen im Fernsehen eigentlich keine für Frauen Mitte dreißig gibt, kann man als Zuschauer frohlocken: Es gibt sie. Dass das manchmal völlig chaotisch ist, passt zu dem, was sich ein romantisches Gemüt so alles ausmalt. Aber ist das mit dem Hinterherschmachten nicht völlig reaktionär? Wieso denn, meint Diana Amft: „Die große Liebe zu finden und für immer zusammenzubleiben, da spricht überhaupt nichts dagegen.“
Bodenständig, leider gibt es nur dieses schnöde Wort dafür. Ausgebildete Justizfachangestellte ist Diana Amft, sie wuchs in Herzebrock-Clarholz bei Gütersloh auf, ist ein Dutzend Mal durch die Schauspielschulprüfung gefallen und hatte ihren ersten Filmerfolg mit „Mädchen, Mädchen“, da kriegt sie einen Orgasmus auf dem Fahrrad. „In dem Beruf ist es wichtig, eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Seine Eigen-Art“, sagt Amft.
Was ist ihre Eigenart? „Ich gehe vorurteilsfrei an alles ran, mache mir von allem ein eigenes Bild, bin sehr spontan“, sagt sie. Und jetzt muss doch auch mal was Negatives kommen, meint Diana Amft. „Ich bin sehr unorganisiert. Und jetzt trau ich mich vielleicht auch, was Positives zu sagen. Also: Ich versuche, aus allem Schlechten was Gutes zu ziehen und mich nicht unnötig aufzuregen. Das bringt nur schlechte Energie. Und wer ein Lächeln schenkt, bekommt ein Lächeln zurück.“
Bei der Frage, ob es nicht vielleicht zu viele Witze über Gretchens Figur gibt, wird Diana Amft ganz ernst. Das Bild vermitteln, dass eine Frau mit Kurven nicht normal sei, das will sie auf keinen Fall. Beim Verabschieden kommt sie nochmal darauf zurück. Sie werde darüber nachdenken, über die Figur-Frage. Nett, dass sie sich daran überhaupt erinnert, denkt man. Und strahlt.
Doctor’s Diary Auftakt zur dritten Staffel, 20.15 Uhr, RTL. Sechs weitere Folgen, mittwochs, 21.15 Uhr.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.