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Bunte-Chefin wehrt sich: Drei weitere Namen

Nach dem enthüllten Debakel um bespitzelte Politiker geht Bunte-Chefin Patricia Riekel in die Offensive. Sie verteidigt die Arbeitsweise der Zeitschrift und weist unlautere Methoden weit von sich. Von Ulrike Simon

Den Vorwurf der Bespitzelung von Politikern weist die Bunte-Chefin von sich.
Den Vorwurf der "Bespitzelung" von Politikern weist die Bunte-Chefin von sich.
Foto: ddp

Als Patricia Riekel Ende 1996 Chefredakteurin der Zeitschrift Bunte wurde, war der Ruf der Illustrierten im Keller. Das Blatt schrieb rote Zahlen, Auflage und Image lagen darnieder. Ihr Vorgänger pflegte einen von Häme und Sarkasmus geprägten Tonfall. "Und er war manchmal der Ansicht, man dürfe eine gute Geschichte nicht durch die Recherche und die Realität kaputtmachen", sagte Riekel einmal. Mit diesem Erbe hatte sie lange zu kämpfen: "Ganz viele Prominente haben sich geweigert, mit uns zusammenzuarbeiten. Es war sehr schwierig", sagte sie. Eine ihrer ersten Maßnahmen war damals, die Berichterstattung auf Politiker auszuweiten. Gerhard Schröder war 1997 der erste auf einem Bunte-Titel.

Jetzt ist die Zeitschrift wieder in Verruf geraten. Das Magazin Stern enthüllte, dass die Redaktion in mehreren Fällen die Berliner Firma CMK mit Recherchen beauftragt hatte. Recherchen, in deren Mittelpunkt Liebesaffären von Politikern stehen. Das alles hat Bunte bestätigt. Gleichzeitig weist Riekel weit von sich, dass CMK mit unlauteren Methoden gearbeitet habe - falls doch, habe sie davon nichts gewusst. Tatsächlich erinnern die vom Stern beschriebenen, von CMK jedoch bestrittenen Methoden nicht an journalistische Recherchen, sondern an Observationen privater Ermittler.

Zur Person

Patricia Riekel hat als Redakteurin der Augsburger Allgemeinen und für verschiedene Zeitschriften gearbeitet, bevor sie im Januar 1997 Chefredakteurin der Zeitschrift Bunte wurde.

Vor ihr hatte Axel Thorer das Blatt kommissarisch geleitet, nachdem sich die Illustrierte von dem umstrittenen Chefredakteur Franz-Josef Wagner getrennt hatte, der später (1998) Chefredakteur der B.Z. und 2000 Chefkolumnist des Springer-Verlages wurde.

Der Auftraggeber bleibt offen

In seiner heute erscheinenden Ausgabe legt der Stern nach. Neben den mittlerweile bekannten Fällen, in denen CMK-Mitarbeiter im Auftrag von Bunte das Privatleben von Oskar Lafontaine, Franz Müntefering, Horst Seehofer und des ehemaligen Vizepräsidenten der EU-Kommission, Günter Verheugen, unter die Lupe genommen haben, gesellen sich weitere Namen. Wer in diesen Fällen der Auftraggeber war, lässt der Stern offen. Es geht um den früheren Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee, den ehemaligen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Günther Oettinger und den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff. Den Vorwurf der "Bespitzelung" weist CMK zurück. Der Stern untermauert seine Recherchen durch Abrechnungsunterlagen, aus denen hervorgeht, wann und wie lange die Politiker beobachtet worden sind. Und dann setzt der Stern noch einen drauf: Im Fall Lafontaine, bei dem CMK von Bunte beauftragt war, Details aus dem privaten Liebesleben zu erkunden, hatte die Illustrierte den Auftrag mangels valider Ergebnisse nach einer gewissen Zeit zurückgezogen. CMK wollte jedoch angeblich nicht so schnell aufgeben und soll sich laut Stern nach einem anderen Finanzier für die Recherchen umgesehen haben.

Am 18. September 2008 lud CMK den saarländischen Unternehmer Wendelin von Boch-Galhau (Villeroy & Boch) ins Büro der Firma nach Berlin-Moabit ein. Von Boch sitzt im CDU-Wirtschaftsrat, er gilt als entschiedener Lafontaine-Gegner. Nach Aussage ehemaliger CMK-Mitarbeiter, die an dem Treffen teilnahmen, bot Agenturchef Stefan Kießling von Boch an, die Recherchen zu Lafontaines Privat- und Intimleben auszuweiten und Details davon kurz vor der Landtagswahl im Saarland an die Medien zu spielen. Kießling habe für die Dienste angeblich ein Agenturhonorar von rund 50 000 Euro im Monat verlangt. Von Boch bestätigte dem Stern Ablauf und Inhalt dieses Gesprächs im Wesentlichen. Allerdings kam es zu keiner Vereinbarung. Von Boch sagte, er habe Kießling nach dem Treffen angerufen und deutlich gemacht, "dass ich so etwas nicht mache". Die Sache sei ihm unangenehm gewesen. CMK teilte mit, es habe sich um ein "informelles Gespräch" gehandelt. "Herr von Boch und CMK kamen danach überein, dass entsprechende Recherchen nicht angebracht sind."

Nach allem, was bisher bekannt ist, gilt es zu differenzieren. Einerseits geht es um die Arbeitsmethoden jener CMK-Gruppe, deren Chef einst eine Firma für Daten- und Sicherheitssysteme leitete, Geschäftsführer mehrerer Detekteien war und zu dessen Mitarbeiter ein ehemaliger Stasi-Feldwebel zählte. Andererseits geht es um die Zeitschrift Bunte und deren Chefredakteurin.

Patricia Riekel hat es geschafft, Bunte zum Nachrichtenmagazin für die Gesellschaft zu machen. Anders als die Journalistin glauben machen mag, ist Bunte deshalb noch lange kein Blatt, das politische Missstände aufdeckt. Bunte geht es zuvorderst um das Private, nicht um das Politische. Das Politische dient lediglich dazu, das Ausforschen des Privaten zu rechtfertigen. Denn Privates zur Befriedigung von Voyeurismus zu veröffentlichen, bliebe ihr untersagt. Anders verhält es sich, wenn das Private als gesellschaftlich relevant begründet werden kann. So will es die Rechtsprechung, und darauf beruft sich Riekel, auch in ihrem heute erscheinenden Bunte-Editorial: Politiker hätten eine Vorbildfunktion, ihr Privatleben sei daher öffentlich relevant.

Dennoch bleibt rätselhaft, wieso Riekel Aufträge für Themen, die potenzielle Titelgeschichten sind, an Dritte vergibt. "Unsere Kernkompetenz ist die People-Berichterstattung", sagte Riekel im September 2009 - und fügte hinzu: "Ich bin der festen Überzeugung, dass es sich auszahlt, wenn man in die Redaktion investiert. Deshalb schickt Bunte Reporter in die ganze Welt los, denn am Schreibtisch erfährt man keine gute Geschichte." Wieso schickt Bunte dann keine eigenen Reporter los, sondern beauftragt eine Agentur wie CMK? "Wollen Sie freie Journalisten arbeitslos machen?", konterte Riekel in der Welt am Sonntag.

Mal abgesehen von der Frage, inwiefern CMK-Leute als Journalisten zu bezeichnen sind, kennen Redaktionen ihre freien Mitarbeiter. Sie vertrauen ihnen und wissen, mit welchen Methoden sie arbeiten. Und sie fragen bei justiziablen, erst recht die Privatsphäre betreffenden Recherchen nach Details ihres Zustandekommens. Umso naiver wirkt es, wenn Riekel zu Plänen, Münteferings Fußmatte mit einem Bewegungsmelder zu versehen und eine Observationskamera mit Blick in Lafontaines Wohnzimmer zu installieren sagt: "Meines Wissens untersagt der Pressekodex weder sündige Gedanken noch aufgeregte Planerei" und: "Wenn etwas schiefgelaufen ist, dann wussten wir nichts davon".

Einen dritten Aspekt gilt es zu bedenken: Ob die Bunte hinter den neu bekannt gewordenen Fällen Wulff, Oettinger und Tiefensee steckt, wurde weder von der Illustrierten noch von CMK bestätigt. Es dürfte auch noch andere Blätter geben, die raue Recherchemethoden nicht ablehnen, um an auflagefördernde Titelstorys über Politiker und andere Prominente zu gelangen.

Autor:  Ulrike Simon
Datum:  3 | 3 | 2010
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