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Byebye Gratiszeitungen: Murdoch hisst die weiße Fahne

Noch eine Folge der Wirtschaftskrise: Das Ende für Londons Gratiszeitungen. Dass Medienmogul Rupert Murdoch die weiße Fahne hisst, spricht Bände. Von Peter Nonnenmacher

Rupert Mudoch.
Rupert Mudoch.
Foto: dpa

Das sieht man selten: Dass Rupert Murdoch die weiße Fahne hisst. Der Medienmogul, dem im Vereinigten Königreich unter anderem die Londoner Times, das Massenblatt The Sun und Sky Television gehören, ist eher dafür bekannt, dass er mit allen finanziellen und ihm sonst zu Gebote stehenden Mitteln die Presse-Konkurrenz in Bedrängnis bringt.

Diesmal aber tritt Murdoch den Rückzug an. Sein Londoner Gratisblatt The London Paper wird im September wegen Anzeigenschwunds eingestellt. Damit geht nicht nur ein kostspieliges Experiment für den Murdoch-Konzern News International zu Ende, sondern auch ein bitterer Londoner Zeitungskrieg, in dem sich Murdoch und seine Rivalen vom Rothermere-Verlag Associated Newspapers mit Hilfe ihrer Freesheet-Truppen befehdeten.

Die Rothermere-Leute können nun daran denken, ihr eigenes Gratisblatt London Lite wieder einzustellen, das sie als Abwehrwaffe gegen Rupert Murdoch ins Feld führten: Keiner der beiden Verlage kann sich diese Art von Materialschlacht in der Rezession noch leisten.

Denn eine Materialschlacht war es letztlich - ein Einsatz gewaltiger Papiermengen in der größten Stadt Europas. The London Paper druckt zur Zeit eine halbe Million Exemplare, und London Lite liegt nur 100000 Exemplare niedriger. Trotz dieser massiven Präsenz, vor allem an den U-Bahnhöfen der Themse-Metropole, haben sich die beiden Blätter in letzter Zeit nicht mehr bezahlt gemacht.

The London Paper allein fuhr in den letzten zwöf Monaten Verluste in Höhe von 9,1 Millionen Pfund ein - um die Hälfte mehr als veranschlagt. Das Blatt sei "hinter den Erwartungen zurückgeblieben", ließ sich Murdoch grimmig vernehmen. News International wolle sich nun wieder "auf das Kerngeschäft konzentrieren".

Sechzig Journalisten und viele hundert Austräger werden damit arbeitslos. Keine lila-gekleideten Helferlein werden Londoner Passanten in diesem Herbst mehr dieses Gratis-Produkt in die Hand zu drücken suchen. Bei einem Anzeigenverlust von 14 Prozent im britischen Gesamtgeschäft des Murdoch-Konzerns hat sich die Basis der ganz auf Werbeeinnahmen angewiesenen Freesheets in Luft aufgelöst.

Vor drei Jahren, als The London Paper auf den Markt kam, hatte es noch den Wind eines kräftigen Finanzbooms in den Segeln. Mit diesem Wind ist, in der Krise, auch der Ehrgeiz des vielgefeierten Projekts erstorben.

Mit Wehmut müssen Londons Verlage dieser Tage an die Zeiten zurückdenken, in denen sie sich Zeitungskriege noch leisten konnten. Als im Sommer 2006 Murdoch sein Gratis-Morgenblättchen ankündigte, schlug Associated Newspapers unmittelbar mit London Lite"zurück (und überholte The London Paper sogar noch um ein paar Tage).

Associated, das auch die erfolgreiche Daily Mail herausgibt, vertrieb zu diesem Zeitpunkt nebenher bereits seit sieben Jahren das Gratisblatt Metro, das sich nach und nach über London hinaus hat etablieren können und das heute in ganz Großbritannien eine Auflage von 1,3 Millionen erreicht.

Wie sehr auch Metro von der Rezession in Mitleidenschaft gezogen wurde, ist bislang noch nicht abzusehen. Die beiden auf London begrenzten Rivalenblätter von 2006 aber haben sich als teure Vehikel eines aggressiven Wettbewerbs erwiesen. Schaden haben sie jedenfalls der einzigen kostenpflichtigen Zeitung für den Raum London, dem London Evening Standard, zugefügt, dessen Mehrheitsanteil kürzlich für 1 Pfund an den russischen Milliardär und Ex-Spion Alexander Lebedev verkauft wurde.

Der Standard hofft nun vom Ende des Kriegs der Gratisblätter zu profitieren. So auch London Lite dicht macht, könnte sich das 181 Jahre alte Traditionsblatt als später Gewinner erweisen - solange die Londoner überhaupt noch Geld für eine "Zeitung für London" auszugeben bereit sind.

Logisch erscheint den Medienexperten der Insel jedenfalls die Rückzugs-Entscheidung Murdochs. Erst vor kurzem hatte der Verleger angekündigt, dass er auch für Online-Auftritte seiner Titel wieder Gebühren erheben will. "Man kann nicht Online-Gebühren erheben und gleichzeitig auf den Straßen Zeitungen gratis verteilen", meinte jetzt die Londoner Medienanalystin Lorna Tilbian. Weitere Schließungen stünden zu erwarten.

Autor:  Peter Nonnenmacher
Datum:  23 | 8 | 2009
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