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Medien

09. Juli 2012

Columbia Journalism School: Das Harvard der Journalistenschulen

 Von Thomas Schuler
Unter den Besten: Absolventen der Columbia Journalism School. Foto: Reuters

Die Columbia Journalism School wird 100. Studenten zahlen heute 75.000 Dollar Geühren für ein Schuljahr und verschulden sich damit Jahre im Voraus.

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Im April waren 44 Erben des Zeitungsverlegers Joseph Pulitzer nach New York gekommen, um zu sehen, wie eine Kordel zerschnitten wird. Sie applaudierten zusammen mit Mitarbeitern, Studenten und Absolventen der Columbia Journalism School, als Schulleiter Nicholas Lemann den neuen Namen des altehrwürdigen Schulgebäudes enthüllte: PULITZER. Nichts hatte sich der Boulevardverleger mehr gewünscht, als seinen Namen in der Journalistenschule verewigt zu sehen. Hundert Jahre nach der Gründung hat sich sein Wunsch erfüllt.

Es liegt an der komplizierten Gründungsgeschichte, dass „wir eigentlich schon seit zehn Jahren unser hundertjähriges Bestehen feiern“, sagte Lemann bei der Feier. Joseph Pulitzer, der die Zeitung New York World verlegte, trat erstmals 1892 an die Columbia Universität mit der Idee heran, die weltweit erste Journalistenschule zu gründen, denn Journalisten sollten „Bescheid wissen über Politik, Literatur, Regierungen, Verfassungsgrundsätze, Geschichte, Wirtschaft; außerdem Geschichte und Meinungsmacht und Dienst an der Öffentlichkeit“. Er sagte, dass „unsere Republik und ihre Presse gemeinsam wachsen oder gemeinsam untergehen werden.“

1902 sicherte Pulitzer eine Millionen-Spende zu. Doch erst nach seinem Tod 1911 wurde die Idee umgesetzt und die Schule 1912 gegründet. Pulitzers Namen ließ man lediglich in eine Bodenplatte eingravieren, das Gebäude wurde schlicht „Journalism“ genannt. Die Schulleitung wollte sich ungern mit dem Rupert Murdoch seiner Zeit und dessen Boulevardjournalismus in Verbindung gebracht sehen. Sie fürchtete auch seinen Einfluss.

Kurse für jedermann

Columbia hat den Ruf, „das Harvard der Journalistenschulen“ zu sein. Um Teil ihres Netzwerks zu werden, zahlen Studenten 75.000 Dollar für ein Schuljahr (Gebühren plus Neben- und Lebenshaltungskosten) und verschulden sich auf Jahre hinaus, weil sie anfangs nur 35.000 Dollar im Jahr verdienen. Dass die Schule die nach ihrem Gründer benannten Preise verleiht, heute die begehrteste Auszeichnung des US-Journalismus, spielte für Pulitzer kaum eine Rolle. Sein eigentliches Anliegen war die Schule. Sie diente später dem ehemaligen SZ-Chefredakteur Werner Friedmann als Vorbild für die Deutsche Journalistenschule in München, der ersten ihrer Art in Deutschland.

Die Bedeutung der Columbia Journalism School lässt sich erahnen, wenn man auf ihrer Website durch einen eigens produzierten Imagefilm oder die Reihe „50 Great Stories“ klickt: Lindberg-Entführung, Watergate, Tiananmen, Abu Ghraib – ihre Absolventen erhielten viele Pulitzer-Preise. Sie pflegt die Kontakte und profitiert davon: Ein Absolvent spendete ihr 2012 einen zweistelligen Millionenbetrag.

Versuche mit Online-Kursen

Seit einigen Jahren bietet die Schule auch Kurse für jedermann an. An diesem Montag beginnt ein dreiwöchiges Seminar über investigative Recherche, die Teilnahme kostet 7500 Dollar. Zudem laufen Versuche mit Online-Kursen, doch die Schule findet sich hier in einem Konflikt: Eine Billigversion des Studiums will sie vermeiden, aber zahlen Studenten für ein Online-Angebot rund 50.000 Dollar im Jahr? Columbia will stärker als bisher für Wachstumsregionen in Asien und Südamerika ausbilden – und überlegt, online auch spanischsprachige Angebote anzubieten. In einer Studie hat sie allerdings herausgefunden, dass die Nachfrage nach ihrer Elite-Ausbildung geringer ist als angenommen. Für die Columbia war es eine überraschende Erkenntnis.

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