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Medien

14. Dezember 2012

Creative Commons: Die Gratis-Revolution

 Von Maja Beckers
Markus Beckedahl Foto: Michael Schick

Wie haben zehn Jahre Creative Commons die Kulturproduktion verändert? Zumindest sind sie Teil der Debatte um das Allgemeingut generell.

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Was heißt denn dieses CC da im Abspann? soll der damalige Chef von ZDF.Info gefragt haben, als 2006 die erste Folge des „Elektronischen Reporters“ in seinem Programm lief. Aber da war es schon zu spät. Das ZDF hatte unfreiwillig die erste Fernsehsendung unter die Jedermann-Lizenz Creative Commons gestellt. Damit kann sie kostenlos kopiert und weiterverwendet werden. Marius Sixtus, Autor der Sendung, hatte darauf bestanden und die Online-Redaktion des ZDF direkt auf seiner Seite. Die Rechtsabteilung solle er aber lieber nicht mit einbeziehen, hatten sie ihm gesagt, die würden das mindestens zehn Jahre lang prüfen.

Dieser riskante Vorstoß hat sich in vielerlei Hinsicht gelohnt. Heute haben alle Autoren beim ZDF die Option, ihre Beiträge unter CC-Lizenz zu stellen und die dem Zuschauer höchst lästige Depublikationspflicht der öffentlich-rechtlichen Sender wurde damit gehackt. Denn wenn das ZDF die Sendung nach einer Woche wieder aus dem Netz nehmen muss, stellt die Redaktion sie eben unter elektronischerreporter.zdf.de wieder ein. Es lohnt sich also, zum zehnten Geburtstag der Creative Commons einmal genauer hinzuschauen, wie dieses Lizenzmodell die Kulturproduktion verändert hat.

Seit genau zehn Jahren haben Urheber die Möglichkeit, eigenmächtig ihre Werke mit der Creative- Commons-Lizenz  zu versehen, die es ausdrücklich erlaubt, die Inhalte kostenlos weiter zu verwerten. Leicht erkennbare Zeichen erklären die Bedingungen, zu denen sie genutzt werden dürfen.  Mancher Urheber will lediglich, dass er genannt wird (1. Zeile), andere legen fest, dass der Inhalt nicht verändert werden darf (2) und/oder nur zu nicht-kommerziellen Zwecken genutzt werden darf (3 und 4), und/oder wenn damit ein neues Werk geschaffen wurde, auch dieses nur unter CC-Lizenz weitergegeben werden darf (5 und 6). Alle Optionen frei kombinierbar.
Seit genau zehn Jahren haben Urheber die Möglichkeit, eigenmächtig ihre Werke mit der Creative- Commons-Lizenz zu versehen, die es ausdrücklich erlaubt, die Inhalte kostenlos weiter zu verwerten. Leicht erkennbare Zeichen erklären die Bedingungen, zu denen sie genutzt werden dürfen. Mancher Urheber will lediglich, dass er genannt wird (1. Zeile), andere legen fest, dass der Inhalt nicht verändert werden darf (2) und/oder nur zu nicht-kommerziellen Zwecken genutzt werden darf (3 und 4), und/oder wenn damit ein neues Werk geschaffen wurde, auch dieses nur unter CC-Lizenz weitergegeben werden darf (5 und 6). Alle Optionen frei kombinierbar.

Der bekannteste Erfolg von Creative Commons ist wohl die Enzyklopädie Wikipedia. Erst durch CC-Lizenzen kann aus Millionen von Einzelbeiträgen unterschiedlicher Autoren ein Werk und die Inhalte von Dritten genutzt werden. Aber die Arten, wie CC genutzt wird, sind unvorstellbar vielfältig. Bilder, Filme, Texte, Musik – riesig ist der Materialpool, der im Internet zu finden ist und von dort immer häufiger in die analoge Welt wandert, in Bücher, ins Radio, auf große Konzertbühnen.

Auf die eine oder andere Weise komme heute jeder so gut wie täglich mit CC-lizenzierten Werken in Berührung, sagt Markus Beckedahl. Er ist hier der Public Lead der Non-Profit-Organisation Creative Commons, die ihren Hauptsitz in den USA hat. In den über 80 Ländern, in denen CC mittlerweile verbreitet ist, werden sie durch je einen Legal Lead, der sich um die juristischen Belange kümmert und einen Public Lead für die Öffentlichkeitsarbeit, vertreten.

„Prosumer“-Kultur

Die Gründe für Künstler, sich für Creative Commons zu entscheiden, schwanken zwischen Euphorie für die Idee der frei zugänglichen Kultur und der Hoffnung, durch wachsende Bekanntheit irgendwann zu bezahlten Aufträgen zu kommen. „Ich will aus rein egoistischen Gründen, dass meine Filme im Netz kursieren“ sagt Marius Sixtus, „aber viele verstehen noch nicht, dass man auch Vorteile hat, wenn man Dinge freigibt.“ Für einige geht diese Rechnung auf, doch für das Gros der Künstler lohnt sich CC finanziell nicht. Markus Masuhr, Musiker aus Leipzig, vertreibt seine Musik seit Jahren CC-lizenziert über sein Netlabel Insectorama und sagt: „ich möchte einfach etwas verschenken.“ Ihn fasziniert die Idee der freien Kultur, denn „dadurch, dass Netlabels ohne Finanzamt, Gema und Bürokratie auskommen, denn es fließt ja kein Geld, dass sie lediglich eine Website brauchen, hat sich eine Schranke geöffnet für sehr viel Musik, die wir sonst nicht hören könnten.“ Und das gilt nicht nur für unbekannte Künstler. Auch berühmte Musiker wie Nine Inch Nails, Yoko Ono oder REM haben ihre Musik teilweise CC-lizenziert und die Fans aufgefordert, die Songs weiterzuentwickeln und wieder zu veröffentlichen. So sind die Fans in nie dagewesener Weise in den kreativen Prozess sonst unerreichbarer Künstler eingebunden.

Hier ist die „Prosumer“-Kultur, die Aufweichung der Positionen „Produzent“ und „Konsument“, aus den Tiefen des Internets in der Mitte der etablierten Kulturindustrie angekommen. Dass jeder heute ein Künstler sein kann und Inhalte en masse kostenlos zur Verfügung gestellt werden, greift unweigerlich die Position etablierter Künstler an und solche, die versuchen, von ihrer Kunst zu leben. Doch die Utopie ist attraktiv und sehr lebendig. Sie lebt von der Idee, dass ein enormes Potenzial an kreativen Kräften freigesetzt wird, wenn Creative Commons an Institutionen, Bürokratie und finanziellen Hürden vorbei den Zugang zu Kunst und Bildung erleichtern, für Produzenten ebenso wie für Konsumenten. Zudem können erst durch Creative Commons viele der technischen Möglichkeiten des Internets, die durch das Urheberrecht bislang illegal waren, legal genutzt werden. Sie schaffen Klarheit und versorgen somit den „Prosumer“ mit Material und Vertriebswegen gleichzeitig. Eine neue Macher-Mentalität und die Verschiebung des Verhältnisses zwischen Künstler und Konsument haben zu dem Bedürfnis nach einer solchen Lizenz geführt und nun befeuert sie diesen tiefgreifenden Prozess weiter.

Zudem sind Creative Commons natürlich Teil der in den letzten Jahren wieder intensiv geführten Diskussion um das Allgemeingut generell. Das Gedankenspiel mit den Möglichkeiten der Allmenden als ein Verteilungsprinzip jenseits von Staat und Markt, hat wieder Konjunktur und lädt, bei aller Schelte für die „Umsonst-Mentalität“ im Internet, zum großen Träumen ein.

Die Creative Commons sind als Zusatzinstrument zur Selbsthilfe entstanden, wo das Urheberrecht noch nicht den Bedingungen des digitalen Zeitalters angepasst wurde. Schön wäre, wenn das Bewusstsein dafür, dass nicht alle Künstler ihre Werke immer vollständig schützen wollen, auf das Urheberrecht zurückwirkt und dieses entsprechend grundsätzlich überarbeitet wird.

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