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Cybercrime: Eingeschränkt aufgewertet

Die ARD startet ihre Reihe "Radiofeatures" mit dem Thema Internetkriminalität. Von Klaus Raab

Würde ein Sprecher nicht so aufgeregt wie der Detektiv Justus Jonas aus den "Drei ???"-Kriminalhörspielen klingen, gäbe es an "Cybercrime. Tatort Internet" nichts auszusetzen. Es ist ein gut konstruiertes, dichtes Radiofeature, das einen komplexen Stoff erschließt: Internetkriminalität. Am Ende der 50 Minuten ist man schlauer als vorher, und das ist doch schon mal was.

Autor Kai Laufen, der zur Redaktion "Reporter und Recherche" des SWR-Hörfunks gehört, geht das Thema ganz systematisch an: Er erklärt, schön langsam und einigermaßen idiotensicher, die Rollen der an den Verbrechen beteiligten Parteien. Er vermittelt einen Eindruck von den Dimensionen der illegalen Geschäfte: "2009 erbeuteten Internetkriminelle allein durch den Betrug bei Online-Bankgeschäften in rund 3000 Fällen insgesamt 11 Millionen Euro", heißt es. Und er hat gute und viele O-Töne: Er sprach mit Ermittlern, einem unfreiwilligen Geldwäscher und einem wegen Beihilfe zum Betrug Verurteilten, der Phishingseiten unter seinem Namen online gestellt hatte.

Zwischendurch fiept es, und wo sonst Musikteppiche ausgerollt werden, lässt Laufen Spam-E-Mails vorlesen, die jedem User schon einmal begegnet sein dürften: "Jetzt einfach bestellen, und Sie sparen bares Geld." Kurz, "Cybercrime" nimmt niemandem, der dem Internet mit Sorge begegnet, die Angst, schon weil Vergleichsgrößen aus der Offline-Welt fehlen, in der ja auch nicht alle heilig sind. Trotzdem ist es der gelungene Start einer monatlichen Reihe namens "ARD Radiofeature".

Jede der neun Folgen der Reihe wird, wie der 2008 angelaufene ARD-"Radio-Tatort", innerhalb weniger Tage nach der Erstausstrahlung in allen beteiligten ARD-Sendern, die auch Features für den Pool beisteuern, zu hören sein. Das schafft - wie der "Radio-Tatort" - Reichweite für gutes Radio, bringt vielleicht - wie der "Radio-Tatort" - Leute zum Hörfunk, die sonst nicht einschalten. Der Haken besteht nur darin, dass - wie im Fall des "Radio-Tatorts" - Kapazitäten für andere Features abgezogen werden.

Auf den Sendeplätzen, auf denen nun bei den sieben beteiligten Sendern "Cybercrime" ausgestrahlt wird, liefen zuletzt: "Verkauft" über Guantanamo-Häftlinge (SWR2), "Café Tamar" über das Leben in Tel Aviv (SR 2), ein Feature über Spätaussiedler (Bayern2), die Produktion "Hör zu, mein Kind, Sie sind ein Mann" (Nordwestradio/Radio Bremen), das Porträt eines Hochhauses (WDR5), ein Feature zum Thema Parallelgesellschaft (NDR Info), und ein Porträt des Journalisten Karl Wilhelm Fricke (HR2). Einmal monatlich wird solche Vielfalt auf den wöchentlichen Featuresendeplätzen nun ersetzt durch ein gemeinsames Programm.

Die ARD-Sender arbeiten auch bisher schon mit anderen Anstalten zusammen, es gibt auch bisher schon Wiederholungen, und es gibt auch bisher schon Möglichkeiten der Übernahme von Produktionen anderer ARD-Anstalten. Trotzdem: Ein Rückgang an Ursendungen dürfte sich durch die neue Reihe kaum verhindern lassen. Das "Radiofeature" ist Einschränkung und Aufwertung zugleich.

Cybercrime. Tatort Internet. Die Ursendung läuft am Mittwoch 22.05 Uhr auf SWR2. Die anderen Termine unter www.radiofeature.ard.de

Autor:  Klaus Raab
Datum:  26 | 1 | 2010
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