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dpa: Das Geschäft mit der Nachricht

Die Deutsche Presse-Agentur ist längst größer ist als allgemein bekannt. Am Dienstag wird sie 60. Von Daniel Bouhs

Als die Redakteure noch Papier vor sich hatten: Die Hamburger Zentralredaktion der   dpa im Jahre 1956.
Als die Redakteure noch Papier vor sich hatten: Die Hamburger Zentralredaktion der dpa im Jahre 1956.
Foto: dpa

Zwei Meldungen prägen die Historie des vielleicht wichtigsten Medienhauses der Republik, der Deutschen Presse-Agentur, deren Arbeit meist mit "dpa" gekürzelt wird. Da ist eine der seltenen Blitz-Meldungen vom 22. November 1963, von denen die Agentur seit Bestehen gerade einmal gut zwei Dutzend versendete und die in Zeitungs- und Rundfunkstationen bis heute Alarmtöne hochschrillen lassen. An jenem Samstag teilte dpa um 20:24 Uhr mit: "Kennedy tot".

Diese zwei Worte waren einer der Höhepunkte der Agentur. Sie sorgte für Aufsehen, weil ihr als erste eine Bestätigung vorlag. Nicht einmal US-amerikanische Agentur-Konkurrenten waren schneller. So makaber ist das Geschäft: Der Präsidenten-Mord brachte der dpa auch internatinal höchstes Ansehen ein.

Kein Jahr verging, bis dpa dieses Zutrauen auf die Probe stellte. Am 13. April 1964 meldete sie wieder einen Tod, diesmal den von Nikita Chruschtschow. Der sowjetische Staatschef lebte da allerdings noch. Die Folge: dpa-Korrespondent Heinz Günter Wurzel wurde des Landes verwiesen - bis Heiligabend, also für gut ein halbes Jahr. Ein Tiefschlag für die Agentur, die dabei war, sich als zuverlässiger Lieferant auch von eigenen Auslands-Meldungen zu profilieren.

Das Unternehmen, das in Deutschland trotz des zunehmenden Konkurrenzdrucks noch immer fast alle Zeitungen und Redaktionen bei Funk und Fernsehen beliefert, feiert heute seinen 60. Geburtstag. Sechs Jahrzehnte, in denen dpa ebenso wuchs wie die gesamte Branche. Anders als zur Gründungszeit am Ende des Zweiten Weltkriegs ist die dpa heute nicht mehr bloß im Inland aktiv - sie versorgt Redaktionen auf der ganzen Welt. Ihr Auslands-Chef Heinz-Rudolf Othmerding erzählt gerne davon, dass schon mal Zeitungen auf den Philippinen mit dpa-Meldungen aufmachen. Was die Agentur dabei von ihrer Konkurrenz unterscheidet, die mit ihr hierzulande im Wettbewerb steht: Während die dpa von allen bundesdeutschen Nachrichtenagenturen mit gut 450 festen Reportern das mit Abstand größte Netz betreibt, sind ihr Agence France-Presse, Associated Press und Reuters im Rest der Welt vielfach weit überlegen.

Mittlerweile betreibt die dpa aber auch selbst mehrere eigenständige Dienste für Medien im Ausland. Da ist ein spanischer Ableger, der in Madrid produziert wird und vor allem in Südamerika mit Sport- und Kulturnachrichten punktet. Außerdem meldet dpa im Nahen Osten über einen arabischen Dienst, der in Kairo entsteht. Und in Berlin bestücken dpa-Mitarbeiter sowohl einen englischen Service als auch einen deutschen für Kunden in Österreich, der Schweiz, Osteuropa.

Insgesamt haben nach Angaben der dpa gut 700 Redaktionen in aller Welt ihr Material abonniert, darunter 40 nationale Agenturen. Die übernehmen dpa-Beiträge oft in ihre jeweiligen Landessprachen. So kompensiert auch die dpa Löcher im eigenen Korrespondentennetz: Berichte, die dpa etwa über den US-Sport liefert, kauft sie beim dortigen Platzhirsch, der Associated Press ein, mit der sie in Deutschland hart konkurriert.

Wie viele Mitarbeiter die dpa jenseits der Republik genau beschäftigt, sagt ihr Auslandschef Othmerding nicht. Fest stehe aber, dass sich sein Netz an Korrespondenten und Informanten "durch 180 der 192 Länder zieht, die in den Vereinten Nationen vertreten sind". Außerdem versichere die dpa derzeit 302 Mitarbeiter im Ausland, davon 65, die als feste deutsche Kräfte direkt für den sogenannten Basisdienst arbeiteten.

Den beziehen zwar die meisten Redaktionen in Deutschland. Und Othmerding sagt natürlich auch, der Basisdienst sei und bleibe das Kernangebot der dpa. Das Geld komme aber zum Teil längst aus dem Ausland: Zumindest der englische und arabische Dienst seien profitabel. Ein Geschäft, von dem hierzulande bloß kaum jemand weiß. Und ein Geschäft, das man ausbaut: Seit diesem Frühjahr erst sendet die dpa auch auf Türkisch.

Autor:  Daniel Bouhs
Datum:  18 | 8 | 2009
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