Was eint die DDR mit der Zubereitung eines Pfannkuchens und dem Champions-League-Finale von 1999 zwischen Bayern München und Manchester United? Genau: die Wende. Man denke nur an die späten Tore von Sheringham und Solskjaer bei der "Mutter aller Niederlagen" für den FC Bayern, eine dramatische Wende; man versuche nur einmal, einen Pfannkuchen von beiden Seiten goldbraun zu bekommen, eine geschickte Wende; und dann die DDR, klar, eine historische Wende. Froh!, das sich im Untertitel ein "Magazin für die schönen Tage des Jahres" nennt, findet in der allerersten Ausgabe, einem Themenheft zur deutschen Einheit, einen ungewöhnlichen Zugang zur Wende. Schon die Titelseite ziert ganzseitig ein herunterfallendes Marmeladenbrot (und die Rückseite dann den Aufschlag), im Heftinnern folgen dramatische Sportwenden, Pfannkuchenrezepte und ein Memory zum Ausschneiden.
Geschichten zur Wende
Das alles wäre relativ trivial, reicherten die Macher des Kölner Konzeptmagazins es nicht mit ungewöhnlichen Beiträgen an. Sie erzählen von Menschen, bei denen sich irgendwann im Leben alles gewendet hat, von Orten, an denen Wendegeschichte geschrieben wurde. Auf die Leipziger Montagsdemonstration blickt das Heft mit einer Auseinandersetzung über die Kerze als Symbol, auf ihre Folgen mit einer Reportage aus dem verlassenen Städtchen Heuersdorf.Hinter Froh! steht die christliche Organisation "Mateno". Durch sie ist das Magazin ein Non-Profit-Projekt mit starkem kirchlichen Schwerpunkt in der Betrachtung der Themen, so dass sich im Heft auch das Originalmanuskript der Predigt findet, die Christian Führer am 30. Oktober 1989 bei den Montagsgebeten in der Nikolaikirche hielt. Froh! ist dabei alles andere als missionarisch: Die sorgfältige Komposition von Beiträgen aus Kultur, Gesellschaft, christlicher Spiritualität und nachhaltigen Lebenskonzepten ergibt ein hochwertig gestaltetes Magazin, das sehr jugendliche Zugänge zum historischen Thema findet.
Die Begründung dafür liefern die Froh!-Macher gleich auf der dritten Seite, ganz klein, unten rechts, in einer Zeile: 23 Prozent der Jugendlichen, steht da, "finden das jährliche Theater um den Mauerfall übertrieben". Das Magazin versucht auch in diesem Punkt ein Wendemanöver.
Froh! gibt es nicht am Kiosk. Das Heft kann im Internet unter www.frohmagazin.de bestellt werden. Es kostet 7 Euro.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.