In der von Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki initiierten Debatte über Qualität im Fernsehen schaltet sich jetzt auch die Jury des Deutschen Fernsehpreises ein.
Zwar kommentiere die Jury ihre Wahl gemeinhin nicht, "aus gegebenem Anlass scheint es uns aber geboten, Vorgehensweise und Kriterien der Preisfindung zu erläutern", erklärte das neunköpfige Gremium am Donnerstag in Köln.
Reich-Ranicki selbst allerdings erneuerte seine Forderungen. Die Gala zum 10. Deutschen Fernsehpreis am Samstag (11. Oktober)war bei Reich-Ranicki auf scharfe Kritik gestoßen. Der 88-Jährige, der den Ehrenpreis für sein Lebenswerk erhalten sollte, hatte auf der Bühne die Auszeichnung abgelehnt und die prämierten Beiträge angegriffen. Moderator Thomas Gottschalk hatte ihm daraufhin spontan ein Fernsehstreitgespräch angeboten, das das ZDF unter dem Titel "Aus gegebenem Anlass" am Mittwochabend aufzeichnete.
Es soll am Freitag um 22.30 Uhr ausgestrahlt werden. Die Jury befand, der Begriff Qualität bedeute bei einem Fernsehfilm etwas anderes als in einer Fernsehshow, in einer Auslandsreportage oder einer Comedy. "Das Gute zeigt sich eben nicht allein im Ernsten und Erhabenen, sondern zuweilen auch in intelligent unterhaltendem 'Blödsinn'." Voraussetzungen eines jeden Qualitätsurteils sei allerdings "die gründliche Kenntnis seines Gegenstandes".
Bei der Aufzeichnung der Sendung erneuerte Reich-Ranicki laut ZDF seine Haltung. "Ich habe nichts zu bereuen, ich nehme nichts zurück", sagte er dem Sender zufolge in dem Streitgespräch mit Gottschalk und verlangte: "Das Fernsehen muss sich mehr Mühe geben." Schon Friedrich Schiller habe für das Theater und die Kultur keine andere Aufgabe als die Unterhaltung gesehen.
Aber auch Unterhaltungsprogramme müssten Niveau haben. Als Vorbild für gutes Fernsehen sieht Reich-Ranicki William Shakespeare. Dieser habe Unterhaltung geboten, dessen Stücke müssten verfilmt werden, sagte er. Auch von Bertolt Brecht kann das Fernsehen nach Auffassung des Kritikers lernen. Brecht sei "der größte Poet" gewesen, der wäre der Richtige fürs Fernsehen, zitierte ihn der Sender. (ddp)
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