Die Antworten schien Kuno Haberbusch, Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche, schon zu ahnen, als er sagte, es gebe womöglich gute Gründe dafür, dass nur Versicherungsmakler, Autoverkäufer und Politiker ein noch schlechteres Image hätten als Journalisten.
Eindrücklich schilderte etwa die Journalistin Silke Burmester, wie sie als freie Textchefin beim Jahreszeiten-Verlag (Petra, Für Sie) miterlebt hat, dass Mitarbeiter der Anzeigenabteilung der Redaktion vorgaben, welche Themen die Anzeigenkunden in der nächsten Zeitschriftenausgabe behandelt sehen möchten. Bestätigt wurde das von Kurt Weichler, heute Dozent für den Studiengang Journalismus und PR an der Fachhochschule Gelsenkirchen, früher Verlagsleiter beim Hamburger Bauer-Verlag. Und selbst Haberbusch hatte zu beichten: Als junger Mann habe er die Protokolle, die er als Schriftführer und Sprecher der Jusos in Rastatt anfertigte, eins zu eins unter seinem Kürzel „ha“ auch im Badischen Tagblatt veröffentlicht. Bei der CDU, der Feuerwehr oder anderen lokalen Institutionen sei das nicht anders gewesen.
Journalisten würden PR-Beiträge gerne unterlassen
PR unter dem Deckmantel von Journalismus gibt es auch anderswo. Bernd Ziesemer, langjähriger Chefredakteur des Handelsblatts, erzählte, wie er von den immer neuen, vom Verlag verordneten Sparrunden zermürbt die Seiten wechselte und nun als Geschäftsführer beim Verlag Hoffmann und Campe Kundenmagazine für Unternehmen wie BMW, Siemens oder RWE verantwortet. Ist das Journalismus oder PR? Die Artikel werden geschrieben von Journalisten, letztlich handelt es sich jedoch um PR. Nun mögen Kundenmagazine, anders als Publikumszeitschriften, in völlig transparenter Weise von den Interessen des jeweiligen Unternehmens geleitete Publikationen sein. Doch würde ein Journalist bei einem Artikel für Geo Saison auch nicht schreiben, wie schlecht das Hotel war, das der Tourismusveranstalter bezahlt hat, konterte Silke Burmester.
Freimütig räumte sie ein, ihre gut bezahlte PR-Arbeit zu nutzen, um damit ihre tatsächlich journalistische Arbeit für eine Tageszeitung querzufinanzieren: eine Notwendigkeit oder gar Selbstverständlichkeit? Darauf deuteten viele Äußerungen während dieser Tagung hin. „Journalisten machen keine PR“, heißt es im Medienkodex des Netzwerks Recherche. Ein Satz, sagten Tagungsteilnehmer, den sich nur Privilegierte und festangestellte Journalisten öffentlich-rechtlicher Anstalten ausgedacht haben können. Realistischer sei zu fordern, Abhängigkeiten und Interessenverflechtungen offenzulegen und als Journalismus getarnte PR-Beiträge zu unterlassen.
Einhellig stimmten die Teilnehmer überein, nur allzu gerne auf PR-Arbeit zu verzichten, wenn Ihnen die Verlage höhere Honorare zahlten.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.