Die Krimis des Drehbuchautors Holger Karsten Schmidt ("Die Sturmflut", "Das Papst Attentat") spielen oft auf dem Dorf: Wenn da ein Verbrechen geschieht, ist jeder betroffen; und wenn die Hierarchien im Mikrokosmos in Bewegung geraten, hat das Auswirkungen von oben bis unten. In "Der Tote in der Mauer" sorgt eine Entdeckung für Turbulenzen, die einer jungen Polizistin am Ende einen unvermuteten Karriereschub ermöglichen.
Der Tote vom Titel ist ein Mann, der vor 16 Jahren verdächtigt wurde, einen kleinen Jungen namens Tim ermordet zu haben. Der Mann war entsprechend vorbestraft und wurde angeklagt, aber freigesprochen. Sein Tod war grausam: Er wurde bei lebendigem Leib mit Zement übergossen. Da eine damals nicht mögliche DNA-Analyse nun seine Unschuld beweist, hat Kommissar Dudek (Michael Mendl), Leiter des örtlichen Reviers, gleich zwei Fälle: Er muss den Mörder des Toten aus der Mauer finden; und der Fall Tim ist immer noch nicht gelöst.
Zwei mit einer fixen Idee
Schmidt setzt noch eins auf: Dudek steht unmittelbar vor seiner Pensionierung, er muss seinem jungen Nachfolger Klaus Wendt (Frank Giering) nur noch die Amtsgeschäfte übergeben. Weil sich die Männer nicht grün sind, entwickeln beide eine fixe Idee: Wendt entdeckt, dass Dudek damals ein Verhältnis mit Tims Mutter hatte. Auch hatte er den vermeintlichen Kindermörder im Gerichtssaal heftig attackiert. So hält Wendt ihn für Tims Vater - und für den Mörder von Tims Mörder.
Dudek seinerseits findet raus, dass Wendt vor Jahren als Trainer von einem Fußballclub gefeuert wurde, weil er sich angeblich einem kleinen Jungen unsittlich genähert hat. Zudem haben Kinder kurz vor Tims Ermordung ein silbernes Auto im Dorf gesehen, an dessen Rückspiegel ein Yin-und-Yang-Anhänger hing. Wendt fuhr damals so ein Auto, und den Anhänger hat er immer noch.
Der Schweizer Markus Imboden hat schon mehrere Drehbücher Schmidts inszeniert (darunter "Der Mörder ist unter uns" und zuletzt "Mörderische Erpressung"). Beiden gemeinsam ist die Vorliebe, nicht viel Worte zu machen. Entsprechend lakonisch und nicht ohne Ironie setzt Imboden das Katz-und-Maus-Spiel der beiden Kommissare in Szene.
Als Katalysator wirkt die Polizistin Simone (Anna Maria Mühe), in ihrer Loyalität zwischen den beiden Vorgesetzten hin und her gerissen. Bis sich ein neuer Verdacht ergibt: Der menschenscheue Ralf (Devid Striesow) war mit dem wesentlich jüngeren Tim eng befreundet. Ein DNA-Test beweist sogar, dass er am Tatort war. Trotzdem entpuppt sich das Indiz als völlig wertlos; und das ist längst nicht die letzte verblüffende Wendung in diesem optisch unspektakulären, aber klug konstruiertem und vorzüglich gespielten Krimi.
"Der Tote in der Mauer", ZDF, 20.15 Uhr.
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