Er ist schlanker und er kann sprechen. Der neue Kindle. Die Neuauflage des digitalen Lesegeräts, das Amazon vor 14 Monaten in Amerika auf den Markt gebracht hat, wurde nun in New York vorgestellt, von Amazon-Chef Jeff Bezos persönlich. Bezos hatte sogar den Megaschriftsteller Stephen King mitgebracht, der eigens für den Kindle 2 eine Novelle geschrieben hat, aus der er auch gleich vorlas - auf seinem neuen, pinkfarbenen Kindle. Darin geht es passend um einen Schüler, der seine Bücher auf dem Kindle liest, während sein Lehrer damit arge Probleme hat.
Der neue Kindle, freilich, soll Probleme beseitigen. Amazon hat das Gerät, das vom 24. Februar an verkauft werden soll, verbessert, und dabei Nutzervorschläge ausgewertet. "Wir wollen das Lesen fördern", sagt Bezos, der gerade noch davor zurückschreckt, sich mit Gutenberg zu vergleichen. Und: Er wolle dafür sorgen, dass irgendwann jedes Buch auf der ganzen Welt innerhalb von 60 Sekunden jedem Leser zur Verfügung stehe.
Vor allem optisch hat die Neuausgabe gewonnen. Der 300 Gramm schwere Kindle ist so groß wie ein Taschenbuch, aber nur 0,9 Zentimeter dick, schmaler als ein Smartphone. Auch an der Technik hat sich einiges verbessert. Die Batterie soll für zwei Wochen Saft liefern (oder vier bis fünf Tage, wenn das Gerät mit dem Internet verbunden ist).
Und auch die Speicherkapazität hat sich deutlich erhöht: Mehr als 1500 Bücher passen nun auf den Flashdrive, der über zwei Gigabyte Platz verfügt. Inzwischen bietet Amazon rund 230 000 Titel für den Kindle an, darunter alle aktuellen Bestseller, aber auch alle Klassiker.
Das Blättern durch die Bücher ist ebenfalls leichter geworden, und auch die runden Knöpfe unter dem Display, mit denen sich Begriffe suchen lassen, sind einfacher zu bedienen. Serienmäßig draufgeladen ist nun ein Gutteil von Wikipedia und das New American Oxford Dictionary. Damit können Leser einzelne Begriffe in einem Text sofort nachschlagen. Und: Der neue Kindle liest englische Texte auf Wunsch auch vor.
Das Display besteht wie bisher aus sogenannter flackerfreier elektronischer Tinte. Das sei besser lesbar als der bunte Touchscreen, den etwa das iPhone hat, behauptete Bezos - vor allem in der Sonne. Auch dieser Tintenschirm wurde optimiert. Statt vier Graustufen gibt es nun 16 verschiedene Grautöne, das ist besser für die Darstellung von Bildern.
Der Kindle ist, wie bisher schon, über das Mobilfunknetz mit Amazon verbunden, so lassen sich mehr als tausend Blogs und 31 Zeitungen und Zeitschriften abonnieren. Die werden morgens automatisch geladen und sind danach auch noch in einem Funkloch verfügbar.
Zum Angebot gehören neben viele namhaften amerikanischen Blättern auch die FAZ und Le Monde. Während die Verbindung via mobiles Internet selbst umsonst sein soll, kosten die Abonnements von Blogs und Zeitschriften monatliche Gebühren. Allerdings: Zwar ging der 359 Dollar teure Kindle in den USA bisher weg wie warme Semmeln - die Erstausgabe war bereits vor Weihnachten vergriffen -, aber außerhalb der USA ist das Gerät immer noch nicht erhältlich. Das liegt daran, dass es dazu eines Vertrags mit einem Mobilfunkanbieter bedarf. Und Amazon braucht natürlich auch genügend downloadbare Bücher in HMTL-Format, für die Verlage die Rechte zur Verfügung stellen.
Gleichwohl ist es bereits heute möglich, digitale Bücher auch außerhalb der USA auf seinen PC oder Mac zu laden und dann per USB auf den Kindle zu übertragen - aber nur Bücher der amerikanischen Website Amazon.com.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.