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14. März 2013

Deutsche Welle: Schnelle Lösung

 Von Ulrike Simon
Peter Limbourg steht an diesem Freitag zur Wahl. Foto: Getty Images/Andreas Rentz

Der Sat.1-Mann Peter Limbourg soll neuer Intendant der Deutschen Welle werden. Eine wirkliche Wahl haben die Rundfunkräte nicht.

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Gerade stand Peter Limbourg noch in Rom vor der Kamera und berichtete für Sat.1 von der Papst-Wahl. Am Freitag wird Limbourg selbst zur Wahl stehen. Erik Bettermann, seit 2001 Intendant des steuerfinanzierten Auslandssenders Deutsche Welle, ist dies nur noch bis zum 30. September. Er wird dann 69 Jahre alt sein. So Gott will, wird die Entscheidung, wer ihm folgt, auf Peter Limbourg hinauslaufen. Es sei denn, die Rundfunkräte verweigern sich dieser Wahl, die in Wahrheit keine ist.

Vor vier Wochen sagte dieser Zeitung Valentin Schmidt, der sowohl Vorsitzender des Rundfunkrats wie der eigens eingesetzten Findungskommission ist, der März-Termin sei nicht zu halten. Erst im Juni könne die Wahl stattfinden. Noch sei die Suche nicht abgeschlossen, zudem sei abzuwarten, wie sich die Bewerber präsentieren. Dafür waren Termine für Ende Februar, für den 11. März und auch für April eingeplant. Doch dann entschied die Kommission, sich mit den schon vor Wochen feststehenden Kandidaten zu begnügen: mit Angelica Netz (WDR), Stephan-Andreas Casdorff (Tagesspiegel) und Peter Limbourg (ProSiebenSat.1). Die internen Bewerber, Fernsehdirektor Christoph Lanz und die Leiterin der DW-Akademie, Gerda Meurer, wurden erst gar nicht eingeladen. Begründet wird dies hinter vorgehaltener Hand damit, dass man „die Statik der Geschäftsleitung nicht ins Wanken bringen“ wolle. Da Limbourg Ende Februar als einziger eine überzeugende Präsentation abgeliefert hat, war die Lösung schnell gefunden. Eine Lösung, die der Deutschen Welle ein Imageproblem verschaffen könnte.

Umso erstaunlicher ist, wie wenig sich der Rundfunkrat müht, wenigstens so zu tun, als suche er mit aller Kraft den bestmöglichen Kandidaten. Wollte die Findungskommission dem Rundfunkrat nicht „Wahlvorschläge“ unterbreiten? Der Plural ist schriftlich dokumentiert. Nicht einmal der Ort der Wahl ist neutral. Sie findet beim Kommissariat der deutschen Bischöfe, der Dienststelle der Deutschen Bischofskonferenz in Berlin statt. Einer der Berater der Deutschen Bischofskonferenz ist Peter Limbourg, bekennender Katholik, Kirch- und sogar Wallfahrtsgänger. Der Leiter des Katholischen Büros ist Prälat Karl Jüsten. Jüsten ist Mitglied des DW-Rundfunkrats, hegt Ambitionen auf den Ende des Jahres freiwerdenden Vorsitz des Gremiums und sitzt auch in der Findungskommission. Vereinzelt ist zu hören, der Beschluss, Limbourg als einzigen Kandidaten vorzuschlagen, hätte beim einen oder anderen „Magengrummeln“ ausgelöst. Trotzdem wurde er einstimmig gefasst. Die Frage, welchem Druck sich wer zu beugen hatte, bleibt unbeantwortet.

Alternativlos ist Limbourgs Wahl dennoch nicht. Es gibt die Möglichkeit, mit Nein zu stimmen. So könnte sich der Rundfunkrat vom Verdacht des Erfüllungsgehilfen befreien. Käme in den ersten beiden Wahlgängen die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit von zwölf Ja-Stimmen nicht zustande, wäre das natürlich ein Affront. Einer Palastrevolution käme gleich, verweigerte der Rundfunkrat sogar die im dritten Wahlgang erforderliche einfache Mehrheit von nur neun Ja-Stimmen. So oder so: das Image der Deutschen Welle wird leiden.

Und was treibt Limbourg weg vom Privatfernsehen? Er ist 52 Jahre alt, das Gesicht der ewig dahindümpelnden Sat.1-Nachrichten und als ein bei der Union gut vernetzter, politischer Journalist Teil einer Senderfamilie, der an politischem Journalismus höchstens dann etwas liegt, wenn eine Bundestagswahl ansteht. Dann wird der Saisonarbeiter Claus Strunz für den Talk „Eins gegen Eins“ engagiert, und Limbourg darf neben den Kollegen Illner, Will, Kloeppel beim Kanzlerduell auch ein paar Fragen stellen. Doch schon in diesem Jahr fällt das zu Stefan Raabs Gunsten flach.

Einst war der Diplomatensohn Limbourg, der in Rom, Paris, Athen und Brüssel aufwuchs, Chef von 140 Sat.1- und 70 N24-Mitarbeitern. Heute laufen dort nur noch ein paar Mitarbeiter herum, der Nachrichtensender N24 ist verkauft. Als Informationsdirektor von ProSiebenSat.1 ist Limbourg nur noch für die Moderatoren der Nachrichtensendungen zuständig und wirkt ansonsten als Verbindungsmann zum Dienstleister N24. In drei Jahren läuft der Vertrag zwischen N24 und der schon wieder zum Verkauf stehenden Senderfamilie aus. „Ich bin froh, in einem Umfeld arbeiten zu können, in dem man Planungssicherheit hat“, sagte der Familienmensch einmal. Nun, eine sechsjährige Amtszeit als DW-Intendant bringt deutlich mehr Planungssicherheit mit sich, und so wahrnehmbar wie ein Sat.1-Nachrichten-Anchorman ist ein Intendant der Deutschen Welle allemal.

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