Eric Schmidt steht am Rande der Bühne, als in Berlin Geschichte geschrieben wird. Vielleicht ist die Überraschung des Google-Chefs aufgesetzt, doch sie klingt überzeugend. Einer seiner Mitarbeiter hat gerade mit dem deutschen Google-Pressesprecher ein Verkaufsgespräch in einem Schuhladen nachgespielt – übersetzt vom Deutschen ins Englische und zurück per Spracheingabe von einem Smartphone mittels Google-Software. Früher war das Science Fiction und hieß Universal-Übersetzer, hier passiert es wirklich. Ein historischer Moment, sagt Schmidt und strahlt: „Seit 50 Jahren sprechen die Menschen über das, was ihr da gerade einfach gemacht habt.“
Schmidt ist nach Berlin gekommen, um zum Abschluss der IFA eine Rede über die Zukunft zu halten. Und die wird – nicht verwunderlich – in seinen Augen von Google geprägt. Mit Telefonen etwa, in die man eine SMS hineinspricht, statt sie zu tippen. Oder die einen zum Städelmuseum führen, wenn man sie unterwegs bittet: „Bring mich zum Museum mit dem ganzen Munch-Zeug.“
Auch eine Präsentation zu Googles neuem Internet-Fernsehangebot haben Schmidt und seine Angestellten mitgebracht. Doch viel mehr als um einzelne Geräte und Programme geht es Schmidt an diesem Vormittag um das große Ganze: die Informationen, auf die mittlerweile 35 Milliarden internetfähige Apparate überall auf der Welt zugreifen. Jedes Gerät ein Portal, ein Navigationssystem – über das Google jedem einzelnen Nutzer individuell sagen kann, was er sucht. Weil Google jeden von ihnen genau kennt. Manchmal besser als er sich selbst. „Augmented Humanity“ nennt Schmidt das. „Angereicherte Menschheit“.
Eric Schmidt weiß, dass nicht jeder diese Zukunftsvision beruhigend findet. Vor allem in Deutschland war es ein aufregender Sommer für Google und seinen in der Politik umstrittenen Dienst Street View, bei dem sämtliche Straßenzüge und Fassaden abfotografiert und ins Netz gestellt werden. Schmidt absolviert deshalb bei seiner Reise auch Gesprächstermine mit Vertretern der Regierung, Deutschland ist ein wichtiger Markt. Und Schmidt betont in seiner Rede immer wieder, dass Google all die Empfehlungen und Hilfestellungen selbstredend nur mit der Erlaubnis des Nutzers anbietet.
Auf die Frage, ob Google einem bald auch sagen wird, wie der Mensch heißt, auf den man gerade das Smartphone hält, antwortet Eric Schmidt deutlich. „Nein, dagegen sprechen einige Gründe.“ Der erste laute, dass es verboten sei, der zweite, dass so ein Dienst ein massiver Eingriff in die Privatsphäre eines Menschen wäre. Und der dritte: „Es ist einfach gruselig.“
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.