Zum Schluss geht es doch nur um das eine: den Journalismus. Das zeigte sich auf dem Jahrestreffen des Verbandes der deutschen Zeitschriftenverleger, die am Montag und Dienstag in Berlin stattfanden. Tagsüber ging es um schrumpfende Umsätze und Erlöse, darum, dass alles noch schlimmer wird und niemand wirklich weiß, wo der Ausweg ist - wenn es einen gibt. Am Ende des Tages stand die Frage: "Wird Qualitätsjournalismus unbezahlbar?"
Das war der Titel eines Podiums am Montag, so stand es auf dem Bildschirm neben dem Podium. Darunter waren die Sponsoren des Kongresses eingeblendet. Das führte zu nicht beabsichtigten Reaktionen. Einer der Zuhörer merkte ironisch an: Das sei der beste Beweis, dass die Zukunft wohl dem von der Werbewirtschaft bezahlten anstatt dem unabhängigen Journalismus gehöre. Tatsächlich nehmen die Versuche von Anzeigenkunden zu, Einfluss auf Redaktionelles auszuüben, erst recht in diesen Zeiten, und nicht immer ist der Widerstand der (Chef-)Redaktionen gegen die Vermengung von Inhalten und Werbung so groß wie er sein sollte. Doch das war nicht das Thema der Veranstaltung. Darüber spricht man nicht, solche Dinge scheinen ohnehin immer nur bei anderen vorzukommen.
Worum es ging, waren die gesetzlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, in denen Journalismus erhalten werden soll. Es ging um Fragen wie jene, ob das Ausbleiben von Anzeigen der Zeitschriftenbranche nicht sogar geholfen habe, unabhängiger zu werden. Diese positive Seite der Medaille, auf die Eberhard von Koerber, Co-Präsident des Club of Rome, hinwies, vermochten die anwesenden 800 Verlagsmanager nicht wirklich zu schätzen, wie ihr Raunen bewies. Ihnen ging es darum, wie Redaktionen organisiert werden sollen, wenn Anzeigenerlöse ausbleiben und die zweite Erlösquelle, die Vertriebsgelder, gerade mal für den Druck und das Papier reicht. Denn eine dritte Einnahmequelle - sei es durch neue Geschäftsfelder, sei es durch bezahlte Inhalte auf Webseiten - ist nach wie vor nicht gefunden.
"Und täglich grüßt das Murmeltier", reagierte Spiegel-Geschäftsführer Ove Saffe auf die wiederkehrende Diskussion über das Verhältnis von Print zu Online. Als ähnlich polarisierend erwies sich die Frage, inwiefern es ausgebildeter Journalisten bedürfe, da sich gesellschaftliche Diskurse zunehmend unter den Nutzern im Netz abspielten und tausend Online-User die Frage etwa nach dem Milchpreis besser beantworten könnten als jeder Journalist, der einen Supermarkt besuchen oder einen Pressesprecher fragen könne, provozierte ein Moderator. "Schicken Sie tausend User los, und Sie werden trotzdem nicht herauskriegen, was in der Vorstandsetage von Lehman Brothers los war, als die Finanzkrise ausbrach. Dafür braucht es Journalisten", konterte Stern-Vizechef Hans-Ulrich Jörges. Investieren Sie in Talente, nicht in Technologie, appellierte der Unternehmensberater von KPMG und mahnte, nur die Marktführer eines Zeitschriftensegments würden überleben.
Bleibt die Frage: Wird Qualitätsjournalismus unbezahlbar? Womöglich würde dem Werbemarkt einfach zu viel Inventar geboten, gab Burda-Manager Philipp Welte zu bedenken und plädierte damit für die Konsolidierung eines Zeitschriftenmarkts, dessen Vielzahl von Titeln nicht zwangsläufig zur Vielfalt von Information und Meinung beiträgt.
Zuvor hatte Neon-Chefredakteur Michael Ebert gesagt, dass journalistische Ideen nicht zwingend viel Geld kosten müssten und nannte als Beispiel die Webseite seines Magazins, deren Inhalte ausschließlich von Nutzern erstellt werden. Auf die Frage, ob man an Redaktionen weiter sparen könne, sagte er: "Das ist eine Entscheidung des Verlags. Er kriegt dann halt ein schlechteres Blatt, keine Enthüllungen und nicht mehr das exklusive Foto." Und wenn die Auflage sinke, müsse der Verlag sich nicht wundern, dass sich das Sparen nicht gerechnet habe. Es hilft nichts, Journalismus, erst recht guten, gibt es nicht kostenlos
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Genau die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.