Für die zu Guttenbergs war dieser 7. Oktober ein ambivalenter Tag. Während Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor davon Kenntnis nehmen musste, dass mal wieder deutsche Soldaten in Afghanistan zu den Opfern zählten, genoss seine Frau Stephanie das Scheinwerferlicht. Mit Verantwortlichen des Privatsenders RTL 2 präsentierte sie die neue Sendereihe „Tatort Internet“, deren Erstausgabe sie am Abend auch gleich komoderierte.
Überhaupt, die PR-Arbeit ist dem Münchner Sender gelungen – vor allem, weil ihm die 33-jährige Ministergattin mit ihrem Einsatz zu enormer Aufmerksamkeit verhalf. „Stephanie zu Guttenberg jagt Kinder-Schänder im TV!“ titelte die Bild-Zeitung am Donnerstag in voller Aufregung.
In der zehnteiligen Reihe will RTL 2 „Sexualtätern, die Kindern im Netz nachstellen, auf die Schliche kommen“, wie es in der Programmankündigung heißt. In einer Berliner Schule – immerhin geht es um die Sicherheit von Heranwachsenden – präsentierten Sender und zu Guttenberg dann auch erste Ausschnitte: Ein Handwerker, der in einem Online-Chat eine Schauspielerin anbaggert, die sich fürs Fernsehen als 13-Jährige ausgibt. Der Mann schickt dem Ziel seiner Begierde Fotos, die ihn beim Onanieren zeigen und will das Mädchen verführen – zur Intimrasur und zu anderen Dingen, mit denen er sich strafbar machen würde. Letztlich läuft er einem Filmteam in die Arme. Das gibt den Fall an die Polizei weiter.
An der Sache lässt sich freilich nur schwer etwas mäkeln, spürt RTL 2 doch mit prominenter Unterstützung Perversen nach. Der Hype, für den auch zu Guttenberg sorgt, die sich im Verein Innocence in Danger gegen sexuellen Missbrauch wendet, befremdet dennoch. Es stellt sich nämlich die Frage, ob ein Sender wie RTL 2, der ebenfalls gestern Abend nach dem neuen Reportageformat einen Beitrag mit dem Titel „Grenzenlos geil! – Deutschlands Sexsüchtige packen aus“ zeigte, die beste Plattform für dieses Engagement ist. Zu Guttenberg wusste auch darauf eine Antwort. „Uns bei Innocence in Danger wird ja gerne vorgeworfen, dass wir mit der Bild-Zeitung kooperieren. Wir tun das aber sehr gerne, weil es unser Anspruch ist, so viele Menschen wie möglich zu erreichen und das aus ganz, ganz unterschiedlichen Schichten. Es geht um die Masse.“
„Tatort Internet“ ist somit vor allem eines: Kampagnen-Fernsehen, unterstützt von einer Ministergattin. Die, Stephanie zu Guttenberg, sagte auch, sie wolle, dass mit sexuellen Übergriffen an Kindern und Jugendlichen „ein letztes Tabu“ gebrochen würde.
Bei RTL 2 ist nun noch neun Mal montags um 20.15 Uhr, zu sehen, wie ein Kamerateam bei einem Treffer minutenlang die Opfer unter Druck setzt. Ein Job, der wohl eher der Justiz zusteht. Dass das nicht ganz unproblematisch ist, zeigt dies: RTL 2-Chef Jochen Starke räumte ein, bereits per Einstweiliger Verfügung mindestens in einem Fall davon abgehalten worden zu sein, das gedrehte Material zu zeigen. Und das, obwohl sein Sender die Aufnahmen stark verfremdet, verpixelt und die Ertappten sogar weitgehend anonymisiert.
Eines aber haben RTL 2, Stephanie zu Guttenberg und all die anderen Beteiligten eindrucksvoll geschafft: Sie haben ein Thema gesetzt. Über die Umsetzung kann durchaus gestritten werden.
Die RTL 2-Sendung „Tatort Internet“ will Pädophile aufspüren. In der ersten Folge hat sich dafür eine Schauspielerin als 13-Jährige ausgegeben. Hauptmoderator der zehnteiligen Reihe ist Udo Nagel, unter Ronald Schill Polizeipräsident in Hamburg. Die weiteren neun Teile sind montags um 20.15 Uhr zu sehen.
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