Frau Keller, wir erwischen Sie mit dem Traumschiff-Team zwischen Tür und Angel - auf dem Weg zu Dreharbeiten in Australien. Was darf auf keinen Fall im Gepäck fehlen?
Meine gute Laune, das Drehbuch und meine Lesebrille. Wichtig ist auch die Haarfarbe, um den Ansatz zu färben.
Sie sind seit dreißig Jahren als Chef-Hostess Beatrice Ledebur mit dem ZDF-Traumschiff unterwegs. Ist es für Sie tatsächlich immer noch der schönste Arbeitsplatz der Welt?
Ja, zumindest ist es der luxuriöseste Drehort, den man sich vorstellen kann. Man muss nicht im kalten Wohnwagen auf den nächsten Einsatz warten oder in einer dreckigen Kneipe. Man kann in seine schöne Kabine gehen und da warten.
Für die Folge am 26. Dezember sind Sie nach Panama gereist. 35 Grad Außentemperatur. 100 Prozent Luftfeuchtigkeit. Sind das tatsächlich luxuriöse Drehbedingungen?
Okay, manchmal schwitzt man halt, die Haare hängen wie Spaghetti herunter. Wenn man das ein Jahr später sieht, denkt man: Mein Gott, die Maskenbildner haben sich doch solche Mühe gegeben. Warum sehe ich so zerzaust aus? Aber das lässt sich eben nicht immer vermeiden. Als Schauspieler steht man das diszipliniert durch.
Sie waren mit dem „Traumschiff“ schon beinahe auf der ganzen Welt. An welchen Ort erinnern Sie sich mit Schrecken?
Wir haben mal auf Samoa für die Dreharbeiten in der glühenden Mittagshitze ein Schwein am Spieß gegrillt. Die Einheimischen saßen im Schatten und haben nur den Kopf geschüttelt. Aber es gibt immer Schlimmeres als das. Ich finde, wir sind sehr privilegiert.
Gibt es denn auch einen Ort, der Ihnen so gut gefallen hat, dass Sie noch einmal dorthin reisen würden?
Ja, Marthas Vineyard, das ist eine Insel vor Boston, die hat mir so gut gefallen, dass ich noch einmal hinreisen wollte. Ich hab‘s aber noch nicht geschafft.
Was hat Sie an der Insel beeindruckt – der Luxus von Amerikas Geldadel?
Nein, der lebt dort ja sehr zurückgezogen. Mich hat die Freiheit beeindruckt, die diese Insel atmet. Da gibt’s keinen McDonald’s und keine Werbung.
Das Traumschiff steht für Fernweh. Ist Ihnen das nach dreißig Jahren abhandengekommen?
Der Drehplan ist im Laufe der Zeit straffer geworden. Viele Orte bekommen wir gar nicht mehr zu sehen. Da ich von Anfang an dabei bin, kenne ich die ja Gott sei Dank alle schon.
Es klingt, als seien Sie erleichtert, nicht mehr überall an Land gehen zu müssen?
Auf eigene Faust wäre ich nie so weit verreist. Ich reise im Sommer lieber nach Italien oder Frankreich. Urlaub heißt dann, die Füße hochzulegen und mich zu erholen.
Warum, glauben Sie, ist das „Traumschiff“ so erfolgreich?
Ich glaube, es liegt an der Mischung von Geschichten, die immer happy enden. Der Produzent trifft den Nerv der Zuschauer. Und es liegt an der exklusiven Art des Reisens: das Schiff, das Meer, die weißen Uniformen.
Gibt es Passagiere, die gezielt mit der MS Deutschland verreisen, um die Filmcrew aus der Nähe zu erleben?
Ein klares Ja. Wir haben regelrechte Groupies.
Als Chef-Stewardess ...
...es heißt übrigens Chef-Hostess.
... pardon, als Chef-Hostess streicheln Sie auch die Seele der Passagiere. Wünschten Sie sich bei drei Monaten an Bord manchmal auch so jemanden?
Ich habe Freunde im Team, mit denen ich reden kann. Ich möchte den Job der Chef-Hostess im richtigen Leben übrigens nicht machen. Der ist ein verdammt anstrengend. Ich hätte wahrscheinlich schon jemanden sonst wo hingetreten.
Dabei hätte die echte Chef-Hostess gar keine Zeit, sich so intensiv um jeden Passagier zu kümmern.
Das habe ich doch gerade gesagt. Die kriegt sehr viel um die Ohren. Und wie Sie vielleicht merken, bin ich lange nicht so geduldig und liebevoll wie die echte Chef-Hostess.
Die echte Chef-Hostess? Wollen Sie sagen, an Bord ist auch im richtigen Leben eine Seele wie Beatrice?
Ja, die richtige Chef-Hostess wurde von der Reederei eingeführt, weil die Passagiere gefragt haben: Wo ist denn Beatrice? So etwas gab es bis dahin nur auf amerikanischen Kreuzfahrtschiffen.
Interview: Antje Hildebrandt
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.