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Medien

13. Januar 2009

DuMont Schauberg: Verlag kauft Zeitungen der Mecom-Gruppe

M. DuMont Schauberg hatte sich bereits 2005 um den Kauf der "Berliner Zeitung" bemüht. Damals erhielt jedoch das Finanzkonsortium um Montgomery den Zuschlag für das Blatt. Foto: dpa

Das Medienunternehmen übernimmt die deutschen Verlagsaktivitäten des britischen Investors David Montgomery und damit auch die "Berliner Zeitung". Arbeitsverträge und Betriebsvereinbarungen sollen ihre Gültigkeit behalten.

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Berlin/Köln. Der Berliner Verlag mit der "Berliner Zeitung" gehört künftig zum Kölner Verlagshaus M. DuMont Schauberg. Das Medienunternehmen übernimmt - wie sich bereits seit mehreren Wochen abgezeichnet hatte - die deutschen Verlagsaktivitäten der britischen Mecom-Gruppe von Investor David Montgomery, wie Mecom in einer Börsenmitteilung bekannt gab.

Der Kaufpreis beträgt den Angaben zufolge 152 Millionen Euro. Die deutsche Mecom-Gruppe umfasst unter anderem auch den "Berliner Kurier", die "Hamburger Morgenpost", die "Netzeitung" und das Berliner Stadtmagazin "Tip".

DuMont gehört zu den fünf größten Zeitungsverlagen in Deutschland. Die Arbeitsverträge, Betriebsvereinbarungen und Tarifverträge behalten dem Konzernbetriebsrat der deutschen Mecom-Gruppe zufolge ihre Gültigkeit. Der Kauf soll im ersten Quartal abgeschlossen sein und muss noch vom Bundeskartellamt genehmigt werden. Zu der BVZ Deutsche Mediengruppe Holding gehören insgesamt knapp 900 Beschäftigte.

Die Betriebsratsvorsitzende Renate Gensch betonte: "Mit DuMont Schauberg gibt es große Chancen und Risiken." Die Chancen in einer der größten deutschen Zeitungsgruppen lägen in einem "langfristigen Interesse eines Verlegers in Qualitätsprodukte". Zugleich betonte sie: "MDS wird uns in seine Strukturen einbinden." Was das für die Verlagsbereiche bedeuten werde, sei noch nicht abzuschätzen. Das Thema Synergien werde auch unter dem neuen Verleger überall eine Rolle spielen.

Medienberichten zufolge ist der Chefredakteur der "Frankfurter Rundschau", Uwe Vorkötter, laut Verlagskreisen zumindest für eine Übergangszeit als Chefredakteur für beide Blätter vorgesehen. Er hatte die "Berliner Zeitung" 2006 wegen des Sparkurses von Montgomery verlassen.

Am Montag hatte Vorkötter auf "Spiegel Online" Gerüchte über einen gemeinsamen Newsdesk dementiert. Der derzeitige Chefredakteur der "Berliner Zeitung", Josef Depenbrock, wollte sich zum Verkauf auf Anfrage nicht äußern.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) äußerte sich grundsätzlich positiv zu der Übernahme. Vom neuen Eigentümer erwarte der DJV den Erhalt der journalistischen Arbeitsplätze in Berlin und Hamburg, die längst überfälligen Investitionen in neue Redaktionssysteme und in journalistische Arbeit sowie die Wahrung der redaktionellen Unabhängigkeit, hieß es.

Berichten zufolge hat die Mecom-Gruppe, die auch Medienunternehmen in Norwegen, den Niederlanden, Dänemark und Polen hält, hohe Schulden. Das Unternehmen kündigte an, die Erlöse aus der Veräußerung würden dafür genutzt, die Anleihen zu reduzieren.

M. DuMont Schauberg hatte sich bereits 2005 um den Kauf der "Berliner Zeitung" bemüht. Damals erhielt jedoch das Finanzkonsortium um Montgomery den Zuschlag für das Blatt. Zu der Kölner Verlagsgruppe gehören neben dem Kölner "Express" und dem "Kölner Stadt-Anzeiger" unter anderem auch die "Frankfurter Rundschau", an der DuMont Schauberg die Mehrheit hält.

Montgomery war 2005 mit seiner Firma Mecom durch den Kauf des Berliner Verlags in den deutschen Zeitungsmarkt eingestiegen. Der Einstieg hatte für großes Aufsehen gesorgt, weil damit erstmals ausländische Finanzinvestoren zu 100 Prozent Eigentümer einer deutschen Zeitung wurden. Die Belegschaft hatte damals heftig gegen Einschnitte durch die neuen Eigentümer protestiert.

Angesichts der hohen Renditeziele wurde ein größerer Stellenabbau befürchtet. Mit Chefredakteur Depenbrock hatte die Redaktion der "Berliner Zeitung" immer wieder Auseinandersetzungen, unter anderem wegen dessen Doppelfunktion auch als Geschäftsführer. (ddp)

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