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Medien

18. Januar 2013

DVB-T: Für den Sender zu teuer

 Von Daniel Bouhs
RTL steigt aus der DVB-T-Technik aus. (Symbolbild) Foto: REUTERS

Mit dem Ausstieg von RTL steht die Übertragungstechnik DVB-T vor dem Aus

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Eine ganze Übertragungstechnik, die in Deutschland erst in den vergangenen Jahren mit enormem Aufwand von Sendern und Fernsehindustrie im großen Stil aufgezogen wurde, steht vor dem Aus: Die Mediengruppe RTL hat sich entschieden, ihre Programme so bald wie möglich nicht mehr über den digitalen Antennenstandard DVB-T an das Publikum zu bringen. Und mit der Mediengruppe ProSiebenSat.1, die derzeit überlegt, wie sie sich verhalten will, wankt schon der nächste große Programmanbieter.

„Natürlich ist die Grundidee, mit unseren Programmen so viele Zuschauer wie möglich zu erreichen“, sagte RTL-Cheflobbyist Tobias Schmid gestern der Berliner Zeitung. Seine Gruppe müsse sich allerdings gleichzeitig auch immer fragen, ob der Aufwand für einen Übertragungsweg überhaupt sein Geld wert sei. „Bei DVB-T fällt unsere Antwort nach rund zehn Jahren Investition und Erfahrung nun negativ aus“, sagte Schmid. Betroffen von diesem Rückzug sind die Sender RTL, RTL2, Vox und SuperRTL – in Berlin zudem auch n-tv. Im Großraum München laufen die Verträge mit dem technischen Dienstleister Media Broadcast im kommenden Juni als erstes aus.

RTL wird in den nächsten Tagen damit beginnen, hier sein Publikum zu informieren: Vom Juni an fallen die hauseigenen Kanäle aus dem südlichen Portfolio, alle übrigen Regionen folgen nach jetzigem Stand mit dem Jahresbeginn 2015. Ohne die größte private Sendergruppe dürfte damit freilich die gesamte Technologie ihr Ende finden.

Verschlüsselung notwendig

Privatsenderlobbyist Schmid erklärt, die Sender spürten derzeit eine „erhebliche Skepsis der Regulierungsbehörden“ gegen die Pläne der Privatsender, ihre Programme auch auf dem Weg über Antenne zu verschlüsseln. Zuletzt hatte das Bundeskartellamt entsprechende Aktionen mit hohen Bußgeldern abgestraft. Die Verschlüsselung, die der Folgestandard DVB-T 2 neben deutlich mehr Platz für hochauflösende Kanäle mit sich bringen sollte, sei für ein Engagement nötig.

Nur mit der Gebühr, die Zuschauer für den Empfang zahlen sollten, könnten die Kosten für die Programmverbreitung refinanziert werden. DVB-T sei immerhin mit Abstand der teuerste Verbreitungsweg. Im Schnitt müssten die Sender hier verglichen mit der Ausstrahlung per Satellit 30 Mal so viel bezahlen, um einen Haushalt zu erreichen. Das leuchtet ein, denn: Die Technik erfordert immerhin viele dezentrale Sendeanlagen.

Außerdem helfe eine Verschlüsselung dabei, „Inhalte samt Werbung“ zu schützen. Der Hintergrund: Privatsender leben von den Werbeinseln in ihren eigentlich frei zu empfangenden Programmen. Eine Verschlüsselung samt Begleitsignal für angeschlossene Geräte wie Festplattenrekorder hilft RTL und Co. dabei zu verhindern, dass Zuschauer bei aufgezeichneten Filmen, Shows und Serien einfach die Reklame überspringen. Mit dem Standard HD+ bietet der Satellitenbetreiber Astra dafür schon den nötigen Begleitfunk an.

Nicht zuletzt aber fehle dem Medienkonzern aus dem Bertelsmann-Reich „das nötige Vertrauen, dass die nötigen Frequenzen seitens der Politik lange genug garantiert werden können“, mahnte Schmid. Die Politik habe noch kein klares Bekenntnis dafür abgegeben, dass die für die Weiterentwicklung von DVB-T 2 avisierten Frequenzen dauerhaft dem Fernsehen überlassen werden – und nicht später an den Mobilfunk gingen. „Wir verzichten auf knapp 1,2 Millionen für uns relevante Haushalte“, sagt Schmid. „Das fällt uns nicht leicht, ist aber nötig.“

Der größte Konkurrent, die Gruppe ProSiebenSat.1, hat sich noch nicht klar positioniert, lässt aber zugleich durchblicken, dass auch ihre Treue zu DVB-T wankt. Der für die Verteilung der Programme zuständige Manager Klaus Steffens sagte am Donnerstag dem Fachdienst epd, der Folgestandard DVB-T 2 sei nur „unter einer Zusammenarbeit aller Marktteilnehmer“ möglich.

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