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Medien

04. Dezember 2009

Editorial: Wege aus der Krise

 Von Konstantin Neven DuMont
Konstantin Neven DuMont ist Vorsitzender des Herausgeberrates der Frankfurter Rundschau und Vorstand der Mediengruppe M. Dumont Schauberg.  Foto: dpa

Investigativer Journalismus kämpft immer mehr mit einem wachsenden Kostendruck. Das Gemeinwohl leidet darunter. Es ist dringend geboten, Lösungen zu finden. Von Konstantin Neven DuMont

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Gibt es eine Zukunft für investigativen Journalismus? Damit meine ich gesellschaftlich relevante Reportagen, in denen etwa die Diskriminierung oder Ausforschung von Arbeitnehmern oder Veruntreuungen öffentlicher Gelder publik gemacht werden. Der Beitrag des investigativen Journalismus zur Demokratisierung der Bundesrepublik in den vergangenen 60 Jahren ist offensichtlich. Das Aufdecken und die damit bewirkte Skandalisierung von Missständen setzen die Kräfte frei, die eine Gesellschaft zur Selbstreinigung benötigt. Investigativer Journalismus ist, mit anderen Worten, Teil der politischen Hygiene. Im besten Fall bewirkt er nicht nur Rücktritte von Verantwortlichen hier oder da, sondern ermuntert den Gesetzeber zu langfristigen Konsequenzen.

Wenn bis vor wenigen Jahren - aufs Ganze gesehen - von erfolgreicher Arbeit der öffentlich-rechtlichen Anstalten, des privaten Rundfunks und der Verlagshäuser gesprochen werden konnte, dann hatte das genau hier seinen Grund. Der investigative Journalismus hält der Gesellschaft einen Spiegel vor. Erst dadurch können - genauer gesagt: konnten - die Deutschen sich selbst erkennen und das, was ihnen daran nicht gefiel, zu ändern versuchen. So war es, aber - ist es noch so?

Mehr als alles andere hat die Digitalisierung die Medienlandschaft umgepflügt. Die Dynamik der Veränderungen ist so extrem, dass die Legislative häufig den Veränderungen hinterherhinkt statt sie zu gestalten. Aber auch die Medien sind mit Fragen konfrontiert, die vor wenigen Jahren niemand für möglich gehalten hätte. Eine der drängendsten Fragen ist: Wie kann ein qualitativ hochwertiger Journalismus erhalten und ausgebaut werden? Und natürlich geht es auch um die Frage, wie ein solcher Journalismus finanziert werden kann.

Suchmaschinen greifen ab

In einer Welt vielfältiger Kommunikationsmittel und -formen betreffen diese Fragen nicht mehr nur Fernsehsender und Verlage, sondern auch Netzinfrastrukturanbieter und Suchmaschinenbetreiber, allen voran Google. Sie müssen in die Debatte einbezogen werden. Infrastrukturanbieter wie die Telekom beschränken sich längst nicht mehr auf die Verbreitung fremder Inhalte, sie werden zunehmend selbst zu Anbietern von Inhalten. Und die Betreiber von Suchmaschinen greifen immer mehr Werbeerlöse ab.

Der Prozess der Kommerzialisierung betrifft auch die Medien. Investigativer Journalismus gerät immer mehr zwischen die Fronten eines wachsenden Kostendrucks bei bedrohten klassischen Erlösmodellen auf der einen Seite und der Jagd nach Sensationen und sich stets erneuernden Schlagzeilen auf der anderen, die Verbreitungswege wie das Internet oder mobile Dienste wie der Mikronachrichtendienst Twitter forcieren.

Nicht nur Politiker, ebenso Unternehmer und Arbeitnehmer stehen vor erheblichen Herausforderungen. Sie werden sie nur bestehen, wenn sie lernen, wirtschaftlich zu denken, sozial zu handeln und sich ökologisch zu orientieren. Ob es gelingt, die deutsche Gesellschaft der Zukunft offen, demokratisch und zivil zu gestalten, wird sich nicht zuletzt daran entscheiden, wie sie mit den Schwächsten umgeht, zum Beispiel mit den Arbeitslosen.

Dazu können investigativ arbeitende Medien einen entscheidenden Beitrag leisten. M. DuMont Schauberg entwickelt gerade Konzepte, den Anteil investigativer Reportagen in seinen Blättern zu erhöhen. Daneben gibt es Überlegungen, eine Vermarktungsplattform für Bezahlinhalte deutschsprachiger Verlage und Autoren zu gründen. Damit soll die Möglichkeit geschaffen werden, hochwertige journalistische Inhalte nicht länger im Internet zu verschenken.

Ebenso wichtig wie bedroht ist der investigative Journalismus in den Kommunen. Vor Ort geraten demokratische Prozesse der Meinungsbildung aufgrund des Kostendrucks zunehmend in Gefahr. Es ist dringend geboten, dass Politik, Netzinfrastrukturbesitzer, Suchmaschinenbetreiber, Inhalteanbieter und Autoren hier gemeinsame Lösungen zur Förderung des Gemeinwohls entwickeln.

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