Dass Journalisten Bücher schreiben, ist en vogue. Viele dieser Bücher werden dann in den eigenen Verlagen veröffentlicht und in den eigenen Medien besprochen. Heikel wird es, wenn die Bewertung Zweifel hervorruft oder wenn für den Konsumenten nicht erkennbar ist, dass ein Journalist gerade ein Buch eines Kollegen bespricht.
Auf diesem Gebiet tut sich der Deutschlandfunk (DLF) hervor. Dort wird gerne gegenseitig rezensiert. Dabei wurde in jüngerer Zeit in mindestens sieben Fällen nicht darauf hingewiesen, dass gerade das Werk eines für den DLF tätigen Autors besprochen wird. DLF-Redakteur Jürgen Liminski widmete sich in einer Sendung auf diese Weise gleich zwei Büchern. Eines davon war "Sie werden euch hassen. Christenverfolgung heute" des freien Journalisten Reinhard Backes, der beim Deutschlandfunk im Bereich politische Literatur und Rezensionen tätig ist.
Sowohl Liminski als auch Backes sind Mitglied des katholischen Geheimbunds Opus Dei. Reinhard Backes' Buch rezensierte der DLF-Autor Michael Mondry am selben Tag ausführlich in einer anderen DLF-Sendung - wieder ohne entsprechenden Hinweis. Backes selbst besprach im Deutschlandfunk das Buch "Gott spielen" des Journalisten Stefan Rehder. Rehder arbeitete früher auch beim DLF mit und schreibt wie Backes und Liminski für den Rheinischen Merkur. Man kennt sich, man hilft sich.
Ob Jürgen Liminski den DLF-Moderator Armin Himmelrath kennt? Ein Buch Himmelraths besprach Liminski in der erwähnten Sendung auch. Himmelrath moderiert beim Deutschlandfunk unter anderem die Sendung "Wissenschaft im Brennpunkt". In der Sendung besprach der DLF-Autor Michael Lange Himmelraths drittes Buch "Macht Köpfen dumm?" - ein "absolutes Muss", so Lange.
Auch Himmelraths aktuellstes Buch, ein Bildungs-Ratgeber, wurde von seiner Moderationskollegin Andrea Lueg in der ebenfalls von Himmelrath moderierten Sendung "Campus und Karriere" behandelt. Dabei wurde Himmelrath den Zuhörern nicht als DLF-Moderator, sondern als "Kölner Bildungsjournalist" vorgestellt. Lueg empfiehlt das Buch daneben auf einem Serviceblatt im Internetangebot von WDR 2.
Als im September das dubiose G.R.P. Institut für Rationelle Psychologie aufflog und die Frage aufkam, ob dessen Leiter Henner Ertel Fördermittel der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG) erhalten hatte, war prompt der DFG-Pressereferent Marco Finetti in Himmelraths Sendung "Campus & Karriere" und stellte prophylaktisch klar, dass dies nicht der Fall sei. "Kollege Marco Finetti" (Himmelrath) war zuvor schon einmal Gesprächspartner in der Sendung gewesen. Die beiden schrieben zusammen das Buch "Der Sündenfall. Betrug und Fälschung in der deutschen Wissenschaft?"
Der Deutschlandfunk verteidigt sich damit, dass die Autoren, deren Bücher besprochen wurden, als Freie für den Deutschlandfunk tätig seien. Der Sender beschäftige "jede Menge freier Mitarbeiter, von denen eine erkleckliche Zahl auch als Buchautoren tätig sind. Wenn wir aufhören wollten, Bücher von freien Autoren vorzustellen, müssten wir vermutlich weitgehend aufhören, überhaupt Bücher vorzustellen", so Dietmar Boettcher vom DLF.
DLF-Autor Matthias von Hellfeld, der selbst im Deutschlandfunk rezensierte, war mit seinem Buch "Akte Europa" gleich vier Mal im Öffentlich-Rechtlichen präsent. Im DLF las er aus seinem Buch, in der Sendung "Kultur aktuell" der Deutschen Welle wurde das Werk in dem Monat als "Buchtipp" vorgestellt, in dem von Hellfeld dort als Autor anfing.
Den fehlenden Hinweis darauf führt Berthold Stevens von der Deutschen Welle auf eine "unglückliche zeitliche Überschneidung zweier Dinge - des Beginns der Tätigkeit von Hellfelds für die DW und der Ausstrahlung des Buchtipps" zurück. Grundsätzlich gelte: "Bei der Auswahl eines Buches, das im Rahmen eines journalistischen Angebots der Deutschen Welle vorgestellt werden soll, ist die Frage, ob ein Autor Mitarbeiter der Deutschen Welle ist, kein Kriterium".
Schließlich wurde von Hellfeld in die WDR-3-Sendungen "Forum" und "Resonanzen" eingeladen, wo sein Buch ebenfalls vorgestellt wurde. Dass der "promovierte Historiker, Fernseh-, Hörfunk- und Print-Journalist" Redakteur bei WDR 2 war, wurde nicht erwähnt. "Diese Informationen waren für das Verstehen des Inhalts nicht notwendig", so der WDR.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.