Die Fahrtwege in die Wochenendruhe dürften für Willi Steul künftig etwas länger werden. Denn als Landessenderdirektor des Südwestrundfunks (SWR) kann man den Mann mit dem Ohrring des öfteren am Freitagmittag auf der A 81 sehen. Denn in Südfrankreich wohnt er nach wie vor mit seiner Frau Marie-Bénédicte Dutreux und einem Teil seiner vier Kinder. In Stuttgart, am Sitz seines SWR, nahm er seit seinem Amtsantritt 1998 nur studentisch Logis. Der promovierte Ethnologe und Philosoph, der als Reporter und Moderator 1972 beim damaligen SWF Landesstudio in Tübingen anfing, ist in dieser Hinsicht reichlich unprätentiös. Überhaupt ist Willi Steul ein gern gesehener Gast auf Empfängen und gesellschaftlichen Anlässen. Der Herzblut-Journalist ist Weinkenner, liebt gutes Essen und nächtliche Sitzungen, die er mit reichlich Zigarettenqualm jahrelang bestens überstand. Im Umgang mit seinen Mitarbeitern konnte der 57-Jährige schon mal cholerisch werden. Aus seiner Zeit beim Deutschlandfunk, wo er 1994 bis 1998 Chefredakteur war, heißt es, er sei ein anstrengender Chef gewesen - einer, der Ideen hatte und diese auch mitteilte.
In letzter Zeit nahm sich Willi Steil etwas zurück in der baden-württembergischen Landeshauptstadt. Vielen Medienleuten fiel auf, dass der SWR-Senderdirektor ziemlich "smart" geworden sei. Das wunderte indes keinen. Ende 2006 hatte Steul seinen Hut in den Ring um die Nachfolge von Peter Voß als SWR-Intendant geworfen. Beim Tingeln durch die verschiedenen Rundfunkrats-Freundeskreise habe er eine ausgezeichnete Figur gemacht, hieß es. Steul mit seinen guten Kontakten, seinem Esprit, seiner Bildung war bestens im Rennen. Dann wurde es Peter Boudgoust - ein Mann aus der Verwaltung.
Baden-Württembergs CDU-Ministerpräsident Günther Oettinger, Vorsitzender des Medienfachausschusses der Union, soll für die nötige Zweidrittel-Mehrheit im Verwaltungsrat und Hötfunkrat gesorgt haben. "Er war Steul etwas schuldig nach der verpatzten Intendantenwahl", heißt es in Stuttgart. Hinzu kam: ZDF-Intendant Markus Schächter, der Verwaltungsratsvorsitzende des Deutschlandfunks, konnte seinen Wahlvorschlag, einen Mann vom ZDF, nicht durchsetzen. Ein Schaden war es wohl auch nicht, dass Steul trotz seines eher unkonventionellen Äußeren stets ein bekennender CDU-Mann mit Parteibuch war und ist. Steul, der vor 30 Jahren Feldforschungen in Afghanistan betrieb und später leidenschaftlicher Hörfunkkorrespondent war, sei "ein hervorragender öffentlich-rechtlicher Rundfunkmann", lobte Schächter. Und, das ist in Stuttgart ein offenes Geheimnis, er wollte längst wieder zu seinem "Kind", dem Deutschlandfunk zurückkehren.
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