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Einbürgerungstest im TV: Wie blöd bist Du wirklich?

Die ARD zeigt den Einbürgerungstest "als Unterhaltung", aber ohne Qualitätssicherung. Eine Fernsehkritik von Mely Kiyak

Wenn es das Land Jugoslawien nicht gibt, kann es auch nicht an Deutschland grenzen. Hätten Sie's gewusst?
Wenn es das Land Jugoslawien nicht gibt, kann es auch nicht an Deutschland grenzen. Hätten Sie's gewusst?
Foto: dpa

Nie zuvor wurde wohl im Deutschen Fernsehen so bedeutungsschwanger und ehrfurchtsvoll das Wort "Originalfrage" gehaucht wie am Donnerstag zur besten Sendezeit in der ARD. Bei Reinhold Beckmann, der als Deutschprüfer den erkrankten Jörg Pilawa für die Sendung "Wie deutsch bist Du wirklich?" vertrat, klang das so: "Origin-aal-fraage".

Gleich zu Beginn stellte er klar, dass der seit 1. September gültige Einbürgerungstest, der als Quizvorlage für die Show diente, "als Unterhaltung" verstanden werden soll. Also keine politischen Statements, keine Diskussionen, so wie am Abend zuvor bei Frank Plasbergs Polittalk "Hart aber fair", an dem Claudia Roth auch schon teilgenommen hatte.

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Dafür, dass sie sich bei Plasberg als Testgegnerin ereiferte und in gewohnter Manier in Rage redete, quietschte sie umso fröhlicher, wenn ihr eine Frage zu schwer erschien. Das hatte zur Folge, dass sie 120 Minuten dauerquiekte.

Man war auf sie angewiesen, weil sich kein anderer Politiker finden ließ, der mitmachen wollte. Gemeinsam mit Rapper Bushido, Heiner Lauterbach und Dunja Hayali trat sie gegen jeweils 45 Bürgermeister, Lehrer, Schüler und Bewerber um einen bundesdeutschen Pass an.

Letztere drapierten sich um Maria Böhmer, die Bundesbeauftragte für Integration, die zeitweise gar nicht ansprechbar war, weil sie mit ihren glutäugigen Sitznachbarn "flirtete", wie Beckmann investigativ herausfand.

Die erste Origin-aal-fraage des Abends behandelte das Recht auf Freizügigkeit, das im Multiple-choice-Verfahren das Recht auf freie Senderwahl nicht anbot. Weiter ging es mit den angrenzenden Nachbarstaaten an Deutschland.

Maria Böhmer musste kurz die Arme von ihrem Nachbarn nehmen und erklären, weshalb das Berliner Institut für Bildung und Qualitätssicherung, die im Auftrag der Bundesregierung den Fragenkatalog erarbeitete, Jugoslawien als Option nannte. Sei doch ganz klar, grinste sie ganz spitzbübisch in die Kamera, wenn es das Land nicht gebe, kann es auch nicht an Deutschland grenzen. Gejohle im Lehrer- und Bürgermeisterblock, nicht aus Protest, sondern aus Freude, weil man der Logik gefolgt war und richtig lag.

Es gab viele skurrile Momente an diesem Abend, der wie alle Quizshows, egal wie sie heißen, stets nur die Frage behandelt, "Wie blöd bist du wirklich?". Beckmann ging in den Passanwärterblock, um den Sänger der Los Banditos zu fragen, warum er den deutschen Pass beantrage. Der war aber in Feierlaune und wollte lieber zu seinem Hit tanzen, der zeitgleich eingespielt wurde. Beckmann hob resigniert die Arme und schwenkte zwei Takte lang das Mikro mit.

Dann Auftritt von 16 Grünschnäbeln, die jeweils ein Bundesland aus Pappe mitbrachten, das von den Prominenten zusammen gepuzzelt werden sollte. Ihr Einmarsch wurde ebenfalls musikalisch untermalt "Das alles ist Deutschland, oh oh oh, das alles sind wir".

Nein, das alles ist nicht Deutschland, denn nicht alle Kinder sind blond und blauäugig, aber darum ging es nicht an diesem Abend. Es ging auch nicht darum, dass die Passanwärter mit ihrem Punktestand auf dem letzten Platz landeten, aber "einen schönen Applaus verdienen".

Wenn das lustige niveauvolle Unterhaltung sein sollte, dann ist der Versuch gehörig in die Hose gegangen, denn Deutschlands Bürgermeister und Lehrer spielten "deutsch", als ginge es um ihr Leben. La Ola Wellen inklusive.

Was kommt als nächstes? Die Asyl Show oder das Hartz IV Quiz? Natürlich nur als "ein Stück Unterhaltung" begriffen. Da die in Deutschland lebenden EU-Ausländer bei den Fernsehquoten nicht mit erfasst werden, weiß man nicht, ob sie die Sendung gesehen haben. Das ist die Gruppe, für die der Einbürgerungstest erfunden wurde. Oh, Deutschland, wie deutsch du bist, das hat sich - ganz original - am Donnerstag Abend gezeigt.

Autor:  MELY KIYAK
Datum:  5 | 9 | 2008
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