Sehr verehrte Damen und Herren, ich begrüße Sie recht herzlich zur Vergabe des Michael-Tetzlaff-Preises der Fernsehkritik 2008. Manche, wenn nicht sogar alle von Ihnen, bemängeln, dass dieser Preis mit einem Euro und 20 Cent viel zu gering dotiert sei. Das ginge doch so nicht, höre ich sie immer wieder sagen.
Und ob das geht! Was passiert denn mit den horrenden Summen, die an anderen Preisen kleben? Richtig: Sie werden zum Fenster hinaus geblasen. Hier mal ein neuer Anzug, da mal schnaffte essen gehen - und vielleicht sogar ein neues Auto. Das hilft dem deutschen Fernsehen auch nicht weiter. Die Anerkennung künstlerischer Leistung gerät angesichts hoher Preisgelder weit in den Hintergrund. Beim Michael-Tetzlaff-Preis jedoch steht der Ruhm im Vordergrund. Hier wird nicht mit kofferweise Geld gelockt, hier wird das Produkt - die Serie, der Film, die Doku - dahin gestellt, wo es hingehört: auf den Olymp!
Und nun freue ich mich sehr, Ihnen mitteilen zu können, dass unser Preis in diesem Jahr mal nicht an die Serie "Die Simpsons" geht, die ihn ja seit seiner Gründung vor zehn Jahren jährlich abstauben konnte. Es war keine leichte Entscheidung für die Jury dieses Jahr. Und wenn ich Ihnen jetzt sage, dass es eine deutsche Serie geschafft hat, wissen Sie genau, was das bedeutet: "Dr. House" hat es auch 2008 nicht geschafft. Ich sage das auch mit etwas Wehmut.
Ich kann von hier oben die Spannung im Publikum praktisch hören. Sicher fragen Sie sich jetzt: Eine deutsche Serie? Was könnte das sein? "Switch reloaded" vielleicht oder endlich "Dittsche"?
Nun, meine Damen und Herren, ich will Sie nicht länger auf die Folter spannen. Der Michael-Tetzlaff-Preis 2008 geht an die ARD-Vorabendserie "Türkisch für Anfänger". Zur Begründung: Den Regisseuren Edzard Onneken und Oliver Schmitz und nicht zuletzt dem Autor Bora Dagtekin ist es mit der dritten Staffel erneut gelungen, frischen Wind in das verschnarchte Vorabend- um nicht zu sagen: Gesamtprogramm der ARD zu bringen. Die Rollen sind wunderbar besetzt, der Humor kommt nicht zu kurz und ist vor allem nicht allzu platt. Des weiteren hat die Jury eine gewisse Abwesenheit politischer Korrektheit doch überzeugt.
Und so freue ich mich nun, Josefine Preuß begrüßen zu dürfen, die die Rolle der Lena spielt, und den Preis stellvertretend für alle entgegen nehmen wird. Einen kräftigen Applaus bitte!
"Türkisch für Anfänger", ARD,
18.50 Uhr.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.